KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

"Wenn die Zeiten gewaltsam laut werden...
So kann es niemals fehlen, dass auch die Frauen ihre Stimme vernehmen."

Louise Otto-Peters, 1847

Heidi Ambrosch zum 8. März 2001

Mit dem Wahlrecht fing es an...

Zweifellos steht der internationale Frauentag mit der Festlegung des Datums auf einen Tag im März in der
Tradition gewerkschaftlicher Interessenskämpfe von Frauen. Zuerst jener zwanzigtausend Hemdnäherinnen in
Manhattan, die im Jahr 1909 nach einem zweimonatigem Streik und tausenden Verhaftungen ihre Forderungen
durchsetzten. Im gleichem Jahr kam die Anregung der amerikanischen Sozialistinnen, "am letzten
Februarsonntag große Propaganda für das Frauenwahlrecht und die Idee des Sozialismus zu veranstalten."
Clara Zetkin und ihre europäischen Genossinnen griffen den Vorschlag auf der II. Internationalen
Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 auf. Ein Jahr später wurde der Frauentag das erste Mal in mehreren
europäischen Städten, darunter in Wien am 19.März mit 20.000 TeilnehmerInnen begangen. Das nächste
entscheidende Jahr war 1917 und wieder waren es Textilarbeiterinnen, diesmal die Petrograder, die mit
ihren Aktionen die Februarrevolution einleiteten, nach russischem Kalender am 23.Februar, nach unserem am
8.März. Seither gilt exakt dieser Tag als internationaler Frauentag.

Mit dem Wahlrecht fing es an, aber immer wurden auch arbeits- und sozialrechtliche Forderungen erhoben.
Auf einem österreichischen Frauentagsplakat von 1928 heißt es unter anderem:

Wir demonstrieren für den Frieden, für Alters- und Invalidenversicherung, für die Gleichstellung der Frau
im Familienrechte, gegen den § 144 im neuen Strafgesetzbuch, gegen den Abbau des Mieterschutzes."

"Unseren Schwestern im 20.Jahrhundert rufen wir zu: Vollendet, was wir begonnen."

Minna Cauer, 1899

Liest man die alten Dokumente, mutigen Reden und Publikationen unserer Groß- und Urgroßmütter kann man
sich dem Eindruck nicht entziehen, das wirklich wenig weiter gegangen ist. Doch, natürlich, viel sogar?
Zumindest für uns weisse, in den hochindustrialisierten nord- und westeuropäischen Ländern geborenen
Frauen. Das Wahlrecht haben wir Österreicherinnen seit 1918, die MigranntInnen bis heute nicht. Per
Gesetz sind wir "gleichgestellt", sieht man von einigen Details ab. Wir haben ein
Sozialversicherungsgesetz, dass sich zwar an der Biographie eines männlichen Erwerbstätigen orientiert,
aber das ließe sich ja noch ausbauen - und der Schwangerschaftsabbruch ist - noch - bis zum dritten Monat
zumindestens frei von Strafe. Wer arbeiten will, findet auch was, wenn frau nicht gerade kleine Kinder
und keinen Kinderbetreuungsplatz hat und selbstverständlich bereit ist, jede Arbeit anzunehmen. Auch
Frauen können alles studieren, vorausgesetzt, sie haben den nötigen finanziellen Background, aber das
gilt auch für Männer.? Und Kunst und Kultur können sie auch betreiben, es müssen ja nicht gleich die
Philharmoniker sein. Ja sogar eine Vizekanzlerin haben wir, was braucht`s da ein Frauenministerium? Und
überhaupt Schluss mit dem Gejammere - stark, schwarz, weiblich, besinne dich auf deine Schönheit, fit
mach mit - es muss ja nicht gleich Bulimie sein - du kannst, du wirst alles erreichen, wenn du es nur
wirklich wirklich willst.

Die Geduld der Frauen ist die Macht der Herrschenden

Historisches Bewußtsein und aktuelle Wut prägt die Diskussionen und Aktionen der in unterschiedlichsten
Zusammenhängen agierenden Frauen und Lesben. (Manchmal kann es dabei dennoch auch sehr lustvoll zugehn!)

Feministinnen haben Frauengeschichte geschrieben und halten sie lebendig, indem sie immer wieder auch an
die Traditionen anknüpfen. Im Kosmos.Frauenraum ist jeder Montag einer der unzähligen kämpferischen
Frauen gewidmet.

Feministinnen schließen ihre Schwestern in anderen Teilen der Welt ein und sehen ihre Situation nicht
getrennt von jenen, vor allem jungen Frauen, die in den Entwicklungsländern in Produktionsstätten leben,
die den Beschreibungen Mitte des 19.Jahrhunderts in Europa gleichen. Die Kampagne "Clean Clothes" wird am
8.März auf die Ausbeutung der Frauen in der heutigen Textilindustrie aufmerksam machen.

Feministinnen haben den strukturellen Zusammenhang von Sexismus, Rassismus und sozialer Ausgrenzung
benannt und die Widerstandsbewegung von Beginn an gefordert. Seit Antritt der Regierung trifft sich jeden
Freitag der feministische Widerstandsrat.

Feministinnen haben im vergangenen Herbst einen Widerstandskongress abgehalten, um Inhalte auszutauschen
und zu schärfen, Aktionen zu planen und gezielter zu koordinieren. Eine vernetzte Struktur wurde
geschaffen, die sich monatlich zu diesem Zweck trifft. Neben punktuellen Irritationen so mancher
RegierungspolitikerInnen gibt es die Kampagne "Jeden Dienstag Frauenstreik", der in allen möglichen und
unmöglichen Bereichen der Reproduktion unsere Verweigerung deutlich machen soll. Sticker, Pickerl und
Infomaterial kann über die KPÖ angefordert werden.

Der neoliberale Zeitgeist bläst den Frauen scharf ins Gesicht. Ob in konservativster oder
sozialdemokratischer Ausprägung - dass mag einen atmosphärischen Unterschied machen, den ich nicht
untertreiben will - die Zielgerade führt allerdings zum gleichen Ergebnis: Frauen zurück zum Start im
vergangenen Jahrhundert als Dienstbotinnen und Gebärende im eigenem Unternehmen Haushalt oder im fremden,
in materieller Abhängigkeit von Ehemann oder staatlicher Fürsorgepolitik. Existenzsichernde Arbeitsplätze
und Mindestsicherung in allen Lebensabschnitten unabhängig vom PartnerInneneinkommen,
Kinderbetreuungseinrichtungen und freier Zugang zu Bildung sind auch weiterhin die zentralen Forderungen,
die dieser Entwicklung entgegen zu stellen sind. Und - frau glaubt es kaum - nach 26 Jahren Gesetz der
Fristenregelung, wird dieses ausgerechnet vom Frauen- und Sozialminister Haupt samt seiner neu
geschaffenen Männer-Grundsatzabteilung erstmals auf Regierungspolitischer Ebene infrage gestellt. Grund
genug, um am 8.März lauter denn je zu sein.

Auch wenn wir am diesjährigen Internationalen Frauentag (noch) nicht 20.000 sein werden wie beim ersten
1911 - wir werden nicht aufhören, daran zu arbeiten und dann...

Heidi Ambrosch

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