KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Warum brauchen wir einen Internationalen Frauentag?

Referat von Rosmarie Thüminger bei der KPÖ-Frauentagsveranstaltung am 7. März 2001


Der Int. Frauentag hat nicht von seiner Aktualität eingebüßt: "Ökonomische Unabhängigkeit der Frau, Entlastung von Überarbeitung, Wahl
eines Berufes und nicht Zwang zu vielen Tätigkeiten, Befreiung von Kapital- und Familienfesseln" das sind Formulierungen, die nicht gestern
oder heute formuliert wurden, so aktuell sie uns erscheinen mögen, sondern von Emma Ihrer, die von 1857 bis 1911 lebte und in der
proletarischen Frauenbewegung arbeitete.

Die Initiative zur Einführung des Int. Frauentages ging von Clara Zetkin aus. Damals war sie Leiterin der sozialistischen Frauenzeitung "Die
Gleichheit" und Sekretärin des Intern. Frauensekretariats.

In dieser Zeit schrieb sie in dem Aufsatz: Die Arbeiterinnen und Frauenfrage der Gegenwart: "Solange die Produktion nun auf die alten
unvollkommenen Arbeitsmittel angewiesen waren, konnte die Frau den Kreis ihrer Tätigkeit nicht erweitern. Sie war durch die primitive
Teilung der Arbeit an das Haus gefesselt worden, sie blieb durch die Art und Weise der Produktion an dasselbe gefesselt...

Die unentbehrliche Erzeugung von Konsumartikeln durch die weibliche Produktionskraft innerhalb der Familie ist auch die Ursache, weshalb
er früher keine Frauenfrage geben konnte, so lange die alten Produktionsbedingungen in Kraft standen... die Rolle der Hausfrau von heute ist
längst zu einem Anarchismus geworden, da mit der Veränderung der Produktionsweise dem Manne und der Frau ganz andere Rollen
draußen im Wirtschaftsleben und drinnen in der Familie zufallen... Wie die Frauen mit ihrer produktiven Tätigkeit aus der Familie
herausgeschleudert worden sind, so müssen sie auch mit ihrem Denken und

Empfinden aus dem eng beschränkten Kreis der Häuslichkeit herausgerissen, sie müssen aus der Familie in die Menschheit gepflanzt
werden."So weit Clara Zetkin.

Es bedurfte scharfer Auseinandersetzung in der ArbeiterInnenbewegung -und Zetkin führte sie mit ihren GenossInnen - um das Bewusstsein
über die Bedeutung der Frauenerwerbsarbeit durchzusetzen. Nicht wenige Arbeiter sahen in ihren Kolleginnen nur weibliche
"Schmutzkonkurrenz", weil Frauenarbeit billiger war. Dazu kamen die katastrophalen Arbeitsbedingungen jener Zeit. Geblendet von diesen
vordergründigen Gegebenheiten forderten sie das Verbot der Frauenerwerbsarbeit. Nicht wenige Arbeiter standen auch der politischen
Emanzipation der Frauen ablehnend gegenüber. Das war in Österreich nicht anders als in Deutschland. So wurde z.B. zum Hainfelder
Parteitag 1889, dem Gründungstag der Österreichischen Sozialdemokratischen Partei die zu diesem Zeitpunkt einzige sozialdemokratische .
Agitatorin Anna Altmann nicht zugelassen.

Erst 1890 erkämpften sich die Frauen die statuarische Verankerung auf mögliche Mitgliedschaft. Auguste Fickert gründete noch im gleichen
Jahr die Arbeiterinnenbildungsvereine.

Zum Eklat in der Österreichische. Sozialdemokratie kam es, als die Frauen ohne vorherige Absprache mit der Parteileitung eine
Frauenkonferenz organisierten mit dem Ergebnis, ein Frauenreichskomitee zu gründen. Erst 1892 gelang endlich der Beschluss zur
gemeinsamen Organisierung und 1902 wurde der Verein sozialdemokratischer Frauen und Mädchen ins Leben gerufen.

Auf der II. Int. Konferenz sozialdemokratischer Frauen 1910 in Kopenhagen kam es auf Antrag von Clara Zetkin zum historischen
Beschluss den Int. Frauentag einzuführen. Vehement forderte Clara Zetkin: Der Frauentag muss einen internationalen Charakter haben und
ist sorgfältig vorzubereiten.

Im März 1911 zogen, organisiert von der sozialdemokratischen. Frauen, in Wien 20.000 Menschen, vorwiegend Frauen mit roten Fahnen
für politische Gleichberechtigung über die Ringstrasse.

Bis zum 1. Weltkrieg war der Int. Frauentag ein Tag der Diskussionen, Demonstrationen und internationaler Treffen, in deren Mittelpunkt
immer das Frauenwahlrecht und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen standen. 1914, vor beginn des 1.Weltriegs, wurde der Frauentag
als Kampftag zur Erhaltung des Friedens genutzt.

Während des 1. Weltkrieges war der Frauentag verboten. Nach dessen Ende, sicher auch als Reaktion auf die umfassenden Frauenrechte,
die die Revolution in Russland den Frauen brachte, beschloss die Österreichische Nationalversammlung am 12. November 1918 die
Einführung des Frauenwahlrechtes. - das war mehr als ein Jahrzehnt nach der Einführung des sogenannten allgemeinen Wahlrechts - so dass
am 16.2.1919 Frauen zum ersten Mal an der Wahl der Nationalversammlung teilnehmen konnten. Nach diesem Erfolg entwickelte sich der
Frauentag zu einem Tag, an dem Frauen vor allem. soziale Forderungen stellten. 1921 schließlich wurde der 8. März als einheitliches Datum
gewählt und zwar in Erinnerungen an die Petersburger Textilarbeiterinnen, die durch ihren Streik am 8. März 1917 (nach dem alten Kalender
war das der 16.Februar) - die Februarrevolution auslösten.

In den Jahren um 1939 war eines der Hauptanliegen der Frauen die Abwehr des Faschismus und die Verhinderung des Krieges. Die
nationalsozialistische Zeit bedeutete einen Bruch in der Geschichte des Frauentages. Wieder wurde die Abhaltung des Internationalen
Frauentages verboten. Dafür wurde der Muttertag eingeführt. Für Frauen, die trotz des Verbotes Zusammenkünfte zum 8. März
organisierten, bedeutete das ein großes Risiko.

Nach 1945, besonders in den Fünfzigerjahren, wurde der Internationale Frauentag wiederbelebt. Nun spielte der Kampf gegen die
neuerliche Aufrüstung und die Atomkriegsgefahr eine große Rolle. Aber auch die Internationale Solidarität war wichtig. In Frankreich wurde
z.B. von der Frauenbewegung UFF eine Postkarte in zehntausenden Exemplaren verteilt mit der Aufforderung: "Bekräftigen Sie mit uns Ihren
Wunsch nach echtem und dauerhaftem Frieden auf der ganzen Welt. Schließen Sie sich unserer großen Bewegung der Freundschaft und
Solidarität mit den Frauen aller Länder an, mir den Frauen, die unter der Geißel des Hungers, der Unterdrückung und der Krieges leiden."

In Kuba beteiligten sich über 32.000 Hausfrauen in Vorbereitung des 8. März im Rahmen der Alphabetisierungskampagne an einer
Erwachsenenqualifizierung. Auch die Solidarität mit Vietnam spielten in diesen Jahren eine Rolle.

Und wie schaut es heute aus?

Ich denke, heute ist der Int. Frauentag aktuell wie eh und je.

Einer der ersten Handlungen der schwarzblauen Regierung war bekanntlich die Abschaffung des Frauenministeriums und deren Agenden
dem Sozialministerium zu übertragen. Deutlicher hätte die FPÖ-ÖVP-Regierung nicht ausdrücken können, welchen Stellenwert sie dem
weiblichen Bevölkerungsteil nun beimessen will. Der Zynismus der Regierung erreichte ihren Höhepunkt, als die Sozialministerin abgesetzt
wurde und statt ihr der Herr Haupt das Ministerium übernahm. Die internationalen Bespöttelungen, die Haupt beim EU -
Frauenministerinnentreffen auslösten, wurden als Verstoß gegen die Gleichbehandlung ausgelegt: Die Landesrätin Ursula Habner forderte
vehement, man sollte den Mann nicht aufgrund seines Geschlechts diskriminieren. Auch die Frau Haupt verteidigte die Qualifikation ihres
Mannes: Er sei einmal Referent für Kindergärten gewesen und habe also Kontakt zu Müttern gepflegt.

Man merkt es: Bei einem Radio- Interview sagte Haupt, er überlege, ob eine Abtreibung wirklich die alleinige Entscheidung der Frau bleiben
soll. Besser wäre es, den Mann und Urheber in die Entscheidung mit ein zu beziehen.

Den darauf folgenden Protesten hielt Haupt entgegen, er meine es nur gut mit den Frauen Schließlich sei es für eine Frau ein Glück, in einer
derart heiklen Frage einen Mann zur Seite zu haben.

Sind das bereits erste Versuche, nach 26 Jahren Fristenregelung wieder zu einer Verschärfung in der Abtreibungsfrage zu kommen?

Inzwischen ist die blau-schwarze Regierung ein Jahr und ein Monat in Amt und Würden. Seither wird eine frauenpolitische Errungenschaft
nach der anderen abmontiert. Unzählige Frauenprojekte haben aus finanzieller Not Mitarbeiterinnen kündigen müssen oder ihre Arbeit
bereits eingestellt. Meines Wissen das letzte Beispiel dafür ist das Büro des Uff, das aus dem Frauenvolksbegehren entstanden ist.

Jene Frauenprojekte, die noch arbeiten, wissen oft von heute auf morgen nicht, wie sie überleben sollen. Es war zwar der frauenpolitische
Fortschritt auch in der Vergangenheit unter eine rot-schwarzen Koalition nicht gerade üppig - erinnern wir uns an die verschiedenen
Sparpakete, die immer auf Kosten der Frauen gingen- aber immerhin gab es breitete Übereinstimmung in dem Anspruch, dass Frauen
selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihr Leben gestalten.

Nun aber scheint es eine ganz neue Selbstverständlichkeit zu sein, das Frauen sich wieder die starke Männerschulter zum Anlehnen suchen
sollen. Deutlich zeigt sich das an den Änderungen und sozialrechtlichen Anpassungen. Der Kinderbetreuungsscheck - so verlockend er auch
manchen Frauen im Moment erscheinen mag - fungiert als Verlockung, mehr österreichische Kinder in die Welt zu setzen und stellt
außerdem eine Art weibliche Ausstiegsprämie aus dem Erwerbsleben dar, denn schon heute haben Frauen nach der Karenzzeit große
Schwierigkeiten beim Berufswiedereinstieg. Und noch eines ist sicher: er ist nur für Österreicherinnen, Migrantinnen bekommen keinen
Schilling.

Genauso ein Affront gegen die eigenständige finanzielle Absicherung von Frauen im Alter ist das von Sozial-und Frauenminister Haupt immer
wieder in die Diskussion gebrachte Pensionssplitting oder Westenthalers Idee der Familienbesteuerung. Diese würde die Frauen noch
stärker der männlichen Versorgung innerhalb einer Hausfrauenehe ausliefern. Ein Schlag gegen die Frauen ist auch Streichung der
kostenlosen Krankenmitversicherung beim Ehemann, die nunmehr an die Mutterschaft geknüpft ist und die ganz besonders ausländische
Frauen trifft, die, selbst wenn sie Arbeit finden würden, keine Arbeitserlaubnis haben.

Auch die Studiengebühren richten sich in erster Linie gegen Frauen. Die älteren unter uns kennen die Situation: Wo das Geld knapp wird,
darf am ehesten der Sohn studieren.

Kürzlich hat das UNO-Komitee CEDAW (Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau) einen Bericht zu
Österreich herausgebracht. Insgesamt wurden 26 schwere Fehler festgestellt. Besonders gravierend:

43% der Österreichischen .Frauen haben nur Pflichtschulabschluss.

80%der Mädchen sind in zehn von mehr als 100 Lehrberufen zu finden.

Männer verdienten99 329.500.-Ös brutto, Frauen 196.800 ÖS.-

Migrantinnen, die im Zuge der Familienzusammenführung zu ihren Ehemännern nach Ö kommen, bekommen 3 - 8 Jahre keine
Arbeitsbewilligung, (je nach dem Land aus dem sie kommen).

Für die Zuerkennung der Notstandshilfe wird das Partnereinkommen angerechnet. Dieser rechtlichen Praxis liegt das patriachalische
Rollenstereotyp der "Ernäherfamilie zu Grunde.

55 % der Bevölkerung sind weiblich, nur 26,8% der Abgeordneten sind Frauen.

Aber auch auf regionaler Ebene gibt es eine Demontage der Errungenschaften, die die Frauen durch jahrelangen Kampf erreicht haben. Das
Frauengesundheitszentrum hat bereits schließen müssen, das DOWAS für Frauen soll keine Förderungen vom Bund mehr bekommen, Dem
Verein "Frauen gegen Vergewaltigung" wurden die Subventionen der Stadt drastisch gekürzt. Die Kindergartenmilliarde, so fragwürdig sie
auch war, weil die Gelder nur für die Errichtung eines Kindehrgartens, nicht aber für den Betrieb vorgesehen war, stellte trotzdem eine
gewisse Förderung dar. Nun wird sie nicht mehr weitergeführt.

Den Frauen wird die eigenständige Erwerbsarbeit immer mehr erschwert. Dabei spielen die mangelnde Kinderbetreuung ebenso eine Rolle
wie die fehlenden Jobs oder die prekären Arbeitsverhältnisse, die vorwiegend von Frauen getragen und äußerst schlecht bezahlt werden.

Die schönen Worte der Regierungskoalition über Ehe und Familie sind keine Aufwertung der Familie. sondern bedeuten, das diese
kostendämpfend im Regierungskonzept der Privatisierung eingesetzt wird. Die Familie dient immer mehr als Puffer für Erwerbslosigkeit und
Sozialabbau.

Dieses Konzept ist nicht neu. Nach ihm handelte bereits die SPÖ-ÖVR -Koalition. Die Familie dient als Puffer für Erwerbsarbeit und
Sozialabbau.

Statt die Spitäler menschengerechter zu gestalten, sollen

die Patienten -um Kosten zu sparen - so rasch als möglich heimgeschickt werden und die Frauen sollen - und müssen - die
Hauskrankenpflege übernehmen. Statt mehr Lehrer einzustellen und damit die Lehrerarbeitslosigkeit zu verringern und allen Kindern gleiche
Chancen zu bieten, sollen die Mütter mit Nachhilfe zur Elitenförderung beitragen.

Der Zuckerguss der Worte und Ideale kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Privatisierung - ob in der verstaatlichten Industrie oder bei
sozialen Leistungen - zulasten der Arbeitenden geht.

Der Internationale Frauentag war immer auch ein Tag, an dem die internationalen Beziehungen, der Kampf um Abrüstung und Frieden und,
nach 1955, die Österreichische Neutralität eine Rolle spielten.

Deshalb auch an dieser Stelle ein paar Worte dazu:

Als am 26. Oktober 1955 der österreichische Nationalrat die immerwährende Neutralität beschloss, sahen das viele Frauen und Männer,
die im Widerstand gegen Krieg und Nationalsozialismus ihr Leben einsetzten, als Erfolg ihres Kampfes um Demokratie und Frieden und als
klares Zeichen: nie wieder sollten Österreicherinnen und Österreicher MittäterInnen oder Opfer bei Kriegen werden. Sie sahen es auch als
einen Sieg jener Menschen, die diesen Kampf nicht überlebten und in den Vernichtungslagern und Kerkern ihr Leben verloren. In diesem
Bundesverfassungsgesetz verpflichtet sich Österreich, keinen militärischen Bündnis beizutreten, keine militärischen Stützpunkte fremder
Staaten auf seinem Gebiet zuzulassen. Etliche Jahre wurde die Neutralitätspolitik auch vom österreichischen Großkapital als nützlich für
internationale Geschäfte gesehen. Doch schon in den Siebziger Jahren wurde die wirtschaftliche Eigenständigkeit Österreichs, die die
Grundlage der Neutralität zu bilden hätte, aufgegeben. Besonders in den achtziger Jahren wurde große Teile der verstaatlichte Industrie,
Handelsketten, Banken, Institutionen, und Medien an ausländisches, vor allem westdeutsches Kapital verkauft.

Als nach einer unüberbietbaren Medienkampagne mit Versprechungen und Drohungen die EU-Abstimmung positiv für den Beitritt
Österreichs über die Bühne gegangen war, wurde die Neutralität mit steigender Geschwindigkeit ausgehöhlt. Bereits die Zugehörigkeit zur
EU verpflichtet Österreich nun zur gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik ebenso wie zur Teilnahme an Wirtschaftskriegen und
Sanktionen auf Seiten der EU. 1998 ratifizierte Österreich die Amsterdamer Verträge und zerstörte so den Kern der Neutralität. Die
Verfassung wurde geändert um es Österreich zu ermöglichen, auch ohne UNO-Mandat an von der EU beschlossenen Kriegen teilzunehmen,
und das weltweit. Ebenfalls 1998 unterschrieb die österreichische Regierung das NATO-Truppenstatut, nachdem NATO-Truppen sich
"vorübergehend" in Österreich aufhalten dürfen.

Während des Krieges gegen Jugoslawien hat die Ablehnung zu einem Nato-Beitritt auch an der Basis der Sozialdemokratie stark
zugenommen. Die SPÖ-Führung besann sich und nahm anlässlich der Nationalratswahlen eine gegensätzliche Haltung zur ihrer bisherigen
Politik ein, zumindest verbal. Tatsache aber ist: Die Demontage der österreichischen Neutralität geschah unter einer SPÖ-ÖVP Regierung
und niemand kann sie dieser Verantwortung entbinden. Tatsache ist auch, dass die jetzige ÖVP-FP Regierung in der Außen und
Sicherheitspolitik zum Teil genau die gleichen Formulierungen verwenden, wie sie von der gescheiterten SPÖ-ÖVP bereits ausgehandelt
wurden: Berufsheer statt allgemeiner Wehrpflicht, Kauf neuer Abfangjäger, Aufstockung des Budgets, Teilnahme an der Euroarmee mit
EU-Beistandgarantie.

Die Gefährdung der Neutralität, Milliardenausgaben für Kampfhubschrauber, die Zerschlagung des Zivildienstes, die geplante Zerstörung der
Sozialversicherung - all diese Verschlechterungen treffen Männer und Frauen, aber Frauen als die Schwächeren immer noch ein Stück
härter.

Zum Int. Frauentag ist es angebracht, einen Blick über Europa hinauszuwerfen.

Die Mehrheit der Frauen lebt in der 3.Welt, geschunden als billige Arbeitskräfte in Fabriken und Plantagen, ausgenützt als Prostituierte im
Geschäft des Sextourismus, Mütter, die um das Überleben ihrer Kinder kämpfen (während in Europa Tonnen von Rindfleisch vernichtet
wird, um die Preise hoch zu halten).

Die Mehrheit der Frauen heute müssen als Analphabetinnen leben, terrorisiert von gesellschaftlichem Elend, patriachaler Gewalt, von
religiösen Vorschriften und Ritualen. Die Dritte Welt ist aber keine eigene Welt, sie ist nur, genauso wie die Nachfolgestaaten der ehemals
sozialistischen Länder, die Kehrseite der ersten kapitalistischen Welt, an diese gekettet durch mächtige Konzerne und diktierte
Weltmarktpreise.

Im Widerstand gegen die Angriffe der Unternehmer, Banker und Konzerne haben die ArbeiterInnenbewegung und die fortschrittliche
Frauenbewegung zentrale Forderungen gemeinsam, die gerade zum Int. Frauentag wieder erhoben werden müssen. Um nur einige wenige
aufzuzählen:

Offensive Beschäftigungsprogramme und soziale Absicherung für alle

Garantierter Mindestlohn von 13.000.-ÖS

Migrantinnen sind in Ö. besonders diskriminiert: Als Frauen und als "Ausländerinnen" und benötigen sie deshalb besondere Förderungen. .

Notwendig ist auch die Einrichtung eines eigenständigen, mit ausreichendem Budget ausgestatteten Frauenreferates.

Keine Studiengebühren! Bessere Schulen, bessere und mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs an allen öffentlichen Krankenhäusern.

Heute, wo Regierunge die Frauenrechte auf allen Ebenen einschränkt und ihre Lebensbedingungen massiv verschlechtert, ist notwendiger
denn je, eine breite Öffentlichkeit auf die fortwährende und gegenwärtig in nicht wenigen Bereichen sich noch verstärkende Benachteiligung
der Frauen aufmerksam zu machen. Notwendig aber ist es auch, ins allgemeine Bewusstsein zu bringen, welche wirtschaftliche und politische
Kräfte dafür verantwortlich sind.

Gründe genug also, die Tradition des Int. Frauentages weiterzuführen.

8.März - Internationaler Frauentag - Referat von Rosmarie Thüminger bei der KPÖ-Frauentagsveranstaltung am 7. März
2001

Warum brauchen wir einen Int. Frauentag?

Der Int. Frauentag hat nicht von seiner Aktualität eingebüßt: "Ökonomische Unabhängigkeit der Frau, Entlastung von
Überarbeitung, Wahl eines Berufes und nicht Zwang zu vielen Tätigkeiten, Befreiung von Kapital- und Familienfesseln" das
sind Formulierungen, die nicht gestern oder heute formuliert wurden, so aktuell sie uns erscheinen mögen, sondern von
Emma Ihrer, die von 1857 bis 1911 lebte und in der proletarischen Frauenbewegung arbeitete.

Die Initiative zur Einführung des Int. Frauentages ging von Clara Zetkin aus. Damals war sie Leiterin der sozialistischen
Frauenzeitung "Die Gleichheit" und Sekretärin des Intern. Frauensekretariats.

In dieser Zeit schrieb sie in dem Aufsatz: Die Arbeiterinnen und Frauenfrage der Gegenwart: "Solange die Produktion nun
auf die alten unvollkommenen Arbeitsmittel angewiesen waren, konnte die Frau den Kreis ihrer Tätigkeit nicht erweitern.
Sie war durch die primitive Teilung der Arbeit an das Haus gefesselt worden, sie blieb durch die Art und Weise der
Produktion an dasselbe gefesselt...

Die unentbehrliche Erzeugung von Konsumartikeln durch die weibliche Produktionskraft innerhalb der Familie ist auch die
Ursache, weshalb er früher keine Frauenfrage geben konnte, so lange die alten Produktionsbedingungen in Kraft
standen... die Rolle der Hausfrau von heute ist längst zu einem Anarchismus geworden, da mit der Veränderung der
Produktionsweise dem Manne und der Frau ganz andere Rollen draußen im Wirtschaftsleben und drinnen in der Familie
zufallen... Wie die Frauen mit ihrer produktiven Tätigkeit aus der Familie herausgeschleudert worden sind, so müssen sie
auch mit ihrem Denken und

Empfinden aus dem eng beschränkten Kreis der Häuslichkeit herausgerissen, sie müssen aus der Familie in die
Menschheit gepflanzt werden."So weit Clara Zetkin.

Es bedurfte scharfer Auseinandersetzung in der ArbeiterInnenbewegung –und Zetkin führte sie mit ihren GenossInnen – um
das Bewusstsein über die Bedeutung der Frauenerwerbsarbeit durchzusetzen. Nicht wenige Arbeiter sahen in ihren
Kolleginnen nur weibliche "Schmutzkonkurrenz", weil Frauenarbeit billiger war. Dazu kamen die katastrophalen
Arbeitsbedingungen jener Zeit. Geblendet von diesen vordergründigen Gegebenheiten forderten sie das Verbot der
Frauenerwerbsarbeit. Nicht wenige Arbeiter standen auch der politischen Emanzipation der Frauen ablehnend gegenüber.
Das war in Österreich nicht anders als in Deutschland. So wurde z.B. zum Hainfelder Parteitag 1889, dem Gründungstag
der Österreichischen Sozialdemokratischen Partei die zu diesem Zeitpunkt einzige sozialdemokratische . Agitatorin Anna
Altmann nicht zugelassen.

Erst 1890 erkämpften sich die Frauen die statuarische Verankerung auf mögliche Mitgliedschaft. Auguste Fickert gründete
noch im gleichen Jahr die Arbeiterinnenbildungsvereine.

Zum Eklat in der Österreichische. Sozialdemokratie kam es, als die Frauen ohne vorherige Absprache mit der
Parteileitung eine Frauenkonferenz organisierten mit dem Ergebnis, ein Frauenreichskomitee zu gründen. Erst 1892
gelang endlich der Beschluss zur gemeinsamen Organisierung und 1902 wurde der Verein sozialdemokratischer Frauen
und Mädchen ins Leben gerufen.

Auf der II. Int. Konferenz sozialdemokratischer Frauen 1910 in Kopenhagen kam es auf Antrag von Clara Zetkin zum
historischen Beschluss den Int. Frauentag einzuführen. Vehement forderte Clara Zetkin: Der Frauentag muss einen
internationalen Charakter haben und ist sorgfältig vorzubereiten.

Im März 1911 zogen, organisiert von der sozialdemokratischen. Frauen, in Wien 20.000 Menschen, vorwiegend Frauen mit
roten Fahnen für politische Gleichberechtigung über die Ringstrasse.

Bis zum 1. Weltkrieg war der Int. Frauentag ein Tag der Diskussionen, Demonstrationen und internationaler Treffen, in
deren Mittelpunkt immer das Frauenwahlrecht und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen standen. 1914, vor beginn
des 1.Weltriegs, wurde der Frauentag als Kampftag zur Erhaltung des Friedens genutzt.

Während des 1. Weltkrieges war der Frauentag verboten. Nach dessen Ende, sicher auch als Reaktion auf die
umfassenden Frauenrechte, die die Revolution in Russland den Frauen brachte, beschloss die Österreichische
Nationalversammlung am 12. November 1918 die Einführung des Frauenwahlrechtes. – das war mehr als ein Jahrzehnt
nach der Einführung des sogenannten allgemeinen Wahlrechts – so dass am 16.2.1919 Frauen zum ersten Mal an der
Wahl der Nationalversammlung teilnehmen konnten. Nach diesem Erfolg entwickelte sich der Frauentag zu einem Tag, an
dem Frauen vor allem. soziale Forderungen stellten. 1921 schließlich wurde der 8. März als einheitliches Datum gewählt
und zwar in Erinnerungen an die Petersburger Textilarbeiterinnen, die durch ihren Streik am 8. März 1917 (nach dem alten
Kalender war das der 16.Februar) - die Februarrevolution auslösten.

In den Jahren um 1939 war eines der Hauptanliegen der Frauen die Abwehr des Faschismus und die Verhinderung des
Krieges. Die nationalsozialistische Zeit bedeutete einen Bruch in der Geschichte des Frauentages. Wieder wurde die
Abhaltung des Internationalen Frauentages verboten. Dafür wurde der Muttertag eingeführt. Für Frauen, die trotz des
Verbotes Zusammenkünfte zum 8. März organisierten, bedeutete das ein großes Risiko.

Nach 1945, besonders in den Fünfzigerjahren, wurde der Internationale Frauentag wiederbelebt. Nun spielte der Kampf
gegen die neuerliche Aufrüstung und die Atomkriegsgefahr eine große Rolle. Aber auch die Internationale Solidarität war
wichtig. In Frankreich wurde z.B. von der Frauenbewegung UFF eine Postkarte in zehntausenden Exemplaren verteilt mit
der Aufforderung: "Bekräftigen Sie mit uns Ihren Wunsch nach echtem und dauerhaftem Frieden auf der ganzen Welt.
Schließen Sie sich unserer großen Bewegung der Freundschaft und Solidarität mit den Frauen aller Länder an, mir den
Frauen, die unter der Geißel des Hungers, der Unterdrückung und der Krieges leiden."

In Kuba beteiligten sich über 32.000 Hausfrauen in Vorbereitung des 8. März im Rahmen der Alphabetisierungskampagne
an einer Erwachsenenqualifizierung. Auch die Solidarität mit Vietnam spielten in diesen Jahren eine Rolle.

Und wie schaut es heute aus?

Ich denke, heute ist der Int. Frauentag aktuell wie eh und je.

Einer der ersten Handlungen der schwarzblauen Regierung war bekanntlich die Abschaffung des Frauenministeriums und
deren Agenden dem Sozialministerium zu übertragen. Deutlicher hätte die FPÖ-ÖVP-Regierung nicht ausdrücken können,
welchen Stellenwert sie dem weiblichen Bevölkerungsteil nun beimessen will. Der Zynismus der Regierung erreichte ihren
Höhepunkt, als die Sozialministerin abgesetzt wurde und statt ihr der Herr Haupt das Ministerium übernahm. Die
internationalen Bespöttelungen, die Haupt beim EU – Frauenministerinnentreffen auslösten, wurden als Verstoß gegen die
Gleichbehandlung ausgelegt: Die Landesrätin Ursula Habner forderte vehement, man sollte den Mann nicht aufgrund
seines Geschlechts diskriminieren. Auch die Frau Haupt verteidigte die Qualifikation ihres Mannes: Er sei einmal Referent
für Kindergärten gewesen und habe also Kontakt zu Müttern gepflegt.

Man merkt es: Bei einem Radio- Interview sagte Haupt, er überlege, ob eine Abtreibung wirklich die alleinige
Entscheidung der Frau bleiben soll. Besser wäre es, den Mann und Urheber in die Entscheidung mit ein zu beziehen.

Den darauf folgenden Protesten hielt Haupt entgegen, er meine es nur gut mit den Frauen Schließlich sei es für eine Frau
ein Glück, in einer derart heiklen Frage einen Mann zur Seite zu haben.

Sind das bereits erste Versuche, nach 26 Jahren Fristenregelung wieder zu einer Verschärfung in der Abtreibungsfrage zu
kommen?

Inzwischen ist die blau-schwarze Regierung ein Jahr und ein Monat in Amt und Würden. Seither wird eine frauenpolitische
Errungenschaft nach der anderen abmontiert. Unzählige Frauenprojekte haben aus finanzieller Not Mitarbeiterinnen
kündigen müssen oder ihre Arbeit bereits eingestellt. Meines Wissen das letzte Beispiel dafür ist das Büro des Uff, das
aus dem Frauenvolksbegehren entstanden ist.

Jene Frauenprojekte, die noch arbeiten, wissen oft von heute auf morgen nicht, wie sie überleben sollen. Es war zwar der
frauenpolitische Fortschritt auch in der Vergangenheit unter eine rot-schwarzen Koalition nicht gerade üppig - erinnern wir
uns an die verschiedenen Sparpakete, die immer auf Kosten der Frauen gingen- aber immerhin gab es breitete
Übereinstimmung in dem Anspruch, dass Frauen selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihr Leben gestalten.

Nun aber scheint es eine ganz neue Selbstverständlichkeit zu sein, das Frauen sich wieder die starke Männerschulter zum
Anlehnen suchen sollen. Deutlich zeigt sich das an den Änderungen und sozialrechtlichen Anpassungen. Der
Kinderbetreuungsscheck – so verlockend er auch manchen Frauen im Moment erscheinen mag - fungiert als Verlockung,
mehr österreichische Kinder in die Welt zu setzen und stellt außerdem eine Art weibliche Ausstiegsprämie aus dem
Erwerbsleben dar, denn schon heute haben Frauen nach der Karenzzeit große Schwierigkeiten beim
Berufswiedereinstieg. Und noch eines ist sicher: er ist nur für Österreicherinnen, Migrantinnen bekommen keinen Schilling.

Genauso ein Affront gegen die eigenständige finanzielle Absicherung von Frauen im Alter ist das von Sozial-und
Frauenminister Haupt immer wieder in die Diskussion gebrachte Pensionssplitting oder Westenthalers Idee der
Familienbesteuerung. Diese würde die Frauen noch stärker der männlichen Versorgung innerhalb einer Hausfrauenehe
ausliefern. Ein Schlag gegen die Frauen ist auch Streichung der kostenlosen Krankenmitversicherung beim Ehemann, die
nunmehr an die Mutterschaft geknüpft ist und die ganz besonders ausländische Frauen trifft, die, selbst wenn sie Arbeit
finden würden, keine Arbeitserlaubnis haben.

Auch die Studiengebühren richten sich in erster Linie gegen Frauen. Die älteren unter uns kennen die Situation: Wo das
Geld knapp wird, darf am ehesten der Sohn studieren.

Kürzlich hat das UNO-Komitee CEDAW (Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau) einen
Bericht zu Österreich herausgebracht. Insgesamt wurden 26 schwere Fehler festgestellt. Besonders gravierend:

43% der Österreichischen .Frauen haben nur Pflichtschulabschluss.

80%der Mädchen sind in zehn von mehr als 100 Lehrberufen zu finden.

Männer verdienten99 329.500.-Ös brutto, Frauen 196.800 ÖS.-

Migrantinnen, die im Zuge der Familienzusammenführung zu ihren Ehemännern nach Ö kommen, bekommen 3 - 8 Jahre
keine Arbeitsbewilligung, (je nach dem Land aus dem sie kommen).

Für die Zuerkennung der Notstandshilfe wird das Partnereinkommen angerechnet. Dieser rechtlichen Praxis liegt das
patriachalische Rollenstereotyp der "Ernäherfamilie zu Grunde.

55 % der Bevölkerung sind weiblich, nur 26,8% der Abgeordneten sind Frauen.

Aber auch auf regionaler Ebene gibt es eine Demontage der Errungenschaften, die die Frauen durch jahrelangen Kampf
erreicht haben. Das Frauengesundheitszentrum hat bereits schließen müssen, das DOWAS für Frauen soll keine
Förderungen vom Bund mehr bekommen, Dem Verein "Frauen gegen Vergewaltigung" wurden die Subventionen der
Stadt drastisch gekürzt. Die Kindergartenmilliarde, so fragwürdig sie auch war, weil die Gelder nur für die Errichtung eines
Kindehrgartens, nicht aber für den Betrieb vorgesehen war, stellte trotzdem eine gewisse Förderung dar. Nun wird sie nicht
mehr weitergeführt.

Den Frauen wird die eigenständige Erwerbsarbeit immer mehr erschwert. Dabei spielen die mangelnde Kinderbetreuung
ebenso eine Rolle wie die fehlenden Jobs oder die prekären Arbeitsverhältnisse, die vorwiegend von Frauen getragen und
äußerst schlecht bezahlt werden.

Die schönen Worte der Regierungskoalition über Ehe und Familie sind keine Aufwertung der Familie. sondern bedeuten,
das diese kostendämpfend im Regierungskonzept der Privatisierung eingesetzt wird. Die Familie dient immer mehr als
Puffer für Erwerbslosigkeit und Sozialabbau.

Dieses Konzept ist nicht neu. Nach ihm handelte bereits die SPÖ-ÖVR –Koalition. Die Familie dient als Puffer für
Erwerbsarbeit und Sozialabbau.

Statt die Spitäler menschengerechter zu gestalten, sollen

die Patienten –um Kosten zu sparen - so rasch als möglich heimgeschickt werden und die Frauen sollen – und müssen –
die Hauskrankenpflege übernehmen. Statt mehr Lehrer einzustellen und damit die Lehrerarbeitslosigkeit zu verringern und
allen Kindern gleiche Chancen zu bieten, sollen die Mütter mit Nachhilfe zur Elitenförderung beitragen.

Der Zuckerguss der Worte und Ideale kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Privatisierung – ob in der verstaatlichten
Industrie oder bei sozialen Leistungen – zulasten der Arbeitenden geht.

Der Internationale Frauentag war immer auch ein Tag, an dem die internationalen Beziehungen, der Kampf um Abrüstung
und Frieden und, nach 1955, die Österreichische Neutralität eine Rolle spielten.

Deshalb auch an dieser Stelle ein paar Worte dazu:

Als am 26. Oktober 1955 der österreichische Nationalrat die immerwährende Neutralität beschloss, sahen das viele
Frauen und Männer, die im Widerstand gegen Krieg und Nationalsozialismus ihr Leben einsetzten, als Erfolg ihres
Kampfes um Demokratie und Frieden und als klares Zeichen: nie wieder sollten Österreicherinnen und Österreicher
MittäterInnen oder Opfer bei Kriegen werden. Sie sahen es auch als einen Sieg jener Menschen, die diesen Kampf nicht
überlebten und in den Vernichtungslagern und Kerkern ihr Leben verloren. In diesem Bundesverfassungsgesetz verpflichtet
sich Österreich, keinen militärischen Bündnis beizutreten, keine militärischen Stützpunkte fremder Staaten auf seinem
Gebiet zuzulassen. Etliche Jahre wurde die Neutralitätspolitik auch vom österreichischen Großkapital als nützlich für
internationale Geschäfte gesehen. Doch schon in den Siebziger Jahren wurde die wirtschaftliche Eigenständigkeit
Österreichs, die die Grundlage der Neutralität zu bilden hätte, aufgegeben. Besonders in den achtziger Jahren wurde
große Teile der verstaatlichte Industrie, Handelsketten, Banken, Institutionen, und Medien an ausländisches, vor allem
westdeutsches Kapital verkauft.

Als nach einer unüberbietbaren Medienkampagne mit Versprechungen und Drohungen die EU-Abstimmung positiv für den
Beitritt Österreichs über die Bühne gegangen war, wurde die Neutralität mit steigender Geschwindigkeit ausgehöhlt.
Bereits die Zugehörigkeit zur EU verpflichtet Österreich nun zur gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik ebenso wie
zur Teilnahme an Wirtschaftskriegen und Sanktionen auf Seiten der EU. 1998 ratifizierte Österreich die Amsterdamer
Verträge und zerstörte so den Kern der Neutralität. Die Verfassung wurde geändert um es Österreich zu ermöglichen, auch
ohne UNO-Mandat an von der EU beschlossenen Kriegen teilzunehmen, und das weltweit. Ebenfalls 1998 unterschrieb die
österreichische Regierung das NATO-Truppenstatut, nachdem NATO-Truppen sich "vorübergehend" in Österreich
aufhalten dürfen.

Während des Krieges gegen Jugoslawien hat die Ablehnung zu einem Nato-Beitritt auch an der Basis der
Sozialdemokratie stark zugenommen. Die SPÖ-Führung besann sich und nahm anlässlich der Nationalratswahlen eine
gegensätzliche Haltung zur ihrer bisherigen Politik ein, zumindest verbal. Tatsache aber ist: Die Demontage der
österreichischen Neutralität geschah unter einer SPÖ-ÖVP Regierung und niemand kann sie dieser Verantwortung
entbinden. Tatsache ist auch, dass die jetzige ÖVP-FP Regierung in der Außen und Sicherheitspolitik zum Teil genau die
gleichen Formulierungen verwenden, wie sie von der gescheiterten SPÖ-ÖVP bereits ausgehandelt wurden: Berufsheer
statt allgemeiner Wehrpflicht, Kauf neuer Abfangjäger, Aufstockung des Budgets, Teilnahme an der Euroarmee mit
EU-Beistandgarantie.

Die Gefährdung der Neutralität, Milliardenausgaben für Kampfhubschrauber, die Zerschlagung des Zivildienstes, die
geplante Zerstörung der Sozialversicherung – all diese Verschlechterungen treffen Männer und Frauen, aber Frauen als
die Schwächeren immer noch ein Stück härter.

Zum Int. Frauentag ist es angebracht, einen Blick über Europa hinauszuwerfen.

Die Mehrheit der Frauen lebt in der 3.Welt, geschunden als billige Arbeitskräfte in Fabriken und Plantagen, ausgenützt als
Prostituierte im Geschäft des Sextourismus, Mütter, die um das Überleben ihrer Kinder kämpfen (während in Europa
Tonnen von Rindfleisch vernichtet wird, um die Preise hoch zu halten).

Die Mehrheit der Frauen heute müssen als Analphabetinnen leben, terrorisiert von gesellschaftlichem Elend, patriachaler
Gewalt, von religiösen Vorschriften und Ritualen. Die Dritte Welt ist aber keine eigene Welt, sie ist nur, genauso wie die
Nachfolgestaaten der ehemals sozialistischen Länder, die Kehrseite der ersten kapitalistischen Welt, an diese gekettet
durch mächtige Konzerne und diktierte Weltmarktpreise.

Im Widerstand gegen die Angriffe der Unternehmer, Banker und Konzerne haben die ArbeiterInnenbewegung und die
fortschrittliche Frauenbewegung zentrale Forderungen gemeinsam, die gerade zum Int. Frauentag wieder erhoben werden
müssen. Um nur einige wenige aufzuzählen:

Offensive Beschäftigungsprogramme und soziale Absicherung für alle

Garantierter Mindestlohn von 13.000.-ÖS

Migrantinnen sind in Ö. besonders diskriminiert: Als Frauen und als "Ausländerinnen" und benötigen sie deshalb
besondere Förderungen. .

Notwendig ist auch die Einrichtung eines eigenständigen, mit ausreichendem Budget ausgestatteten Frauenreferates.

Keine Studiengebühren! Bessere Schulen, bessere und mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs an allen öffentlichen Krankenhäusern.

Heute, wo Regierunge die Frauenrechte auf allen Ebenen einschränkt und ihre Lebensbedingungen massiv verschlechtert,
ist notwendiger denn je, eine breite Öffentlichkeit auf die fortwährende und gegenwärtig in nicht wenigen Bereichen sich
noch verstärkende Benachteiligung der Frauen aufmerksam zu machen. Notwendig aber ist es auch, ins allgemeine
Bewusstsein zu bringen, welche wirtschaftliche und politische Kräfte dafür verantwortlich sind.

Gründe genug also, die Tradition des Int. Frauentages weiterzuführen.

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