KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Die Sowjetunion am 22. Juni 1941

Nachfolgender Artikel von Winfried R. Garscha stammt aus "Weg und Ziel" (WUZ); Nr. 6/91

Der 22. Juni 1941 bedeutete für die Sowjetunion die schrecklichste Prüfung in ihrer Geschichte. Was wog der jahrelange Terror im Inneren – die ”Kollektivierung” Anfang der dreißiger Jahre, während der die Landbevölkerung unter willkürlichen Deportationen und der Vernichtung ihrer Lebensgrundlagen gelitten hatte (wodurch Millionen in den Hungertod getrieben wurden), und die ”große Säuberung” Ende der dreißiger Jahre, als eine dreiviertel Million1 tatsächliche und vermeintliche Gegner des Regimes erschossen und viele Millionen in Lager verschleppt worden waren – angesichts eines Gegners, dessen erklärtes Ziel, die Ausrottung ganzer Bevölkerungsgruppen war, der die Dörfer und Städte niederbrannte und die Überlebenden zu Sklaven der Eroberer machte?

Die Sowjetmacht mußte, wollte sie nicht untergehen, beweisen, daß sie imstande war, das gemeinsame Überleben der Völker der UdSSR zu organisieren und sie vor dem Schicksal zu bewahren, das ihnen die nationalsozialistischen Aggressoren zugedacht hatten. Sie bestand diese Prüfung, wenn auch um einen entsetzlich hohen Preis. Bis heute beschäftigt vor allem jene, die die Greueltaten der Deutschen Wehrmacht und der ”Einsatzgruppen” der SS miterlebt haben, die Frage, ob der Sieg über den Faschismus wirklich - wie es in den Geschichtsbüchern steht – nur möglich war, weil die Stalinsche Politik in den Jahren des ”sozialistischen Aufbaus” die ökonomischen und sozialen Grundlagen dafür schuf2, oder ob nicht gerade die Politik der Führung um Josef Stalin verantwortlich war für die entsetzlichen (bis heute in ihrem vollem Ausmaß verheimlichten) Verluste der ersten Kriegswochen – indem die Bevölkerung (auch die Soldaten!) in den zwei Jahren des Nichtangriffs- und Freundschaftspakts mit Hitler-Deutschland eingelullt und die tatsächlich drohende Gefahr verniedlicht wurde; indem die fähigsten Heerführer 1937/38 ermordet wurden und bis in die letzten Tage vor dem deutschen Angriff die Armeeführung bei der Vorbereitung der Abwehrmaßnahmen behindert wurde; indem Stalin befahl, den von der Einkesselung bedrohten Truppenteilen den Rückzug zu verweigern, was nicht nur dazu führte, daß hunderttausende Soldaten in die Hand des Feindes fielen, sondern auch den rechtzeitigen Aufbau neuer Abwehrstellungen beträchtlich erschwerte.

GING DIE SOWJETUNION UNVORBEREITET IN DEN KRIEG?

Am 14. Juni 1941 verlautbarte die sowjetische Nachrichtenagentur ein Regierungskommunique, in dem es hieß: ”Deutschland erfüllt die Abmachungen des sowjetisch-deutschen Pakts ebenso gewissenhaft wie die Sowjetunion. Den Bewegungen deutscher Truppen an der deutschen Ostgrenze müssen andere Ursachen zugrundeliegen, die nichts mit den sowjetisch-deutschen Beziehungen zu tun haben. [...] Alle Gerüchte über Vorbereitungen zu einem Krieg mit Deutschland entbehren jeder Grundlage.3
Ab dem Frühjahr 1941 waren die Anzeichen unübersehbar, daß ein deutscher Angriff bevorstand. Besonders nach dem Überfall auf das mit der UdSSR durch einen Freundschaftspakt verbundene Jugoslawien am 6. April 1941 mußte der sowjetischen Führung klar sein, daß die Spekulation, Hitler würde aus Scheu vor einem Zweifrontenkrieg erst nach einem Sieg über Großbritannien angreifen, hinfällig war.

Das seit der Chrustschow-Zeit in der Memoirenliteratur gezeichnete Bild von einer untätigen Führung, die den Hitler-Faschisten blindlings vetraute, findet in den Akten keine Bestätigung. Bereits in den sechziger lahren haben westliche Autoren vermutet, daß verschiedene Aspekte der sowjetischen Politik des Frühjahrs 1941, als Ausdruck des Bemühens, den offenbar bereits für unvermeidlich gehaltenen Krieg hinauszuschieben, erklärt werden können. Dieser Deutung schließen sich auch neuere, auf sowjetische Akten gestützte wissenschaftliche Untersuchungen4 in der UdSSR an.

Am 5. Mai 1941 empfing Stalin im Kreml hunderte junge Offiziere und forderte von ihnen die Bereitschaft, ”jeder möglichen Überraschung zu begegnen”. Da die Rote Armee noch nicht stark genug sei; ”die Deutschen ohne weiteres schlagen zu können”, versprach er, daß die Regierung mit diplomatischen Mitteln versuchen werde, ”einen bewaffneten Konflikt mit Deutschland zumindest bis zum Herbst hinauszuzögern, weil es um diese Jahreszeit für einen deutschen Angriff zu spät sein wird”. Er warnte aber, daß dieser Versuch auch fehlschlagen könne.5 Das obenerwähnte Kommunique war einer jener diplomatischen Versuche. Obwohl die sowjetische Bevölkerung in ihrer Mehrzahl den deutschen Angriff als Schock erlebte, erfolgte er dennoch nicht aus heiterem Himmel.

Eine Reihe von Alarmsignalen (wie etwa die Übernahme des Amts des Ministerpräsidenten durch Stalin persönlich am 6. Mai) hatte bei politisch Interessierten die Angst vor einer Einbeziehung der Sowjetunion in den zweiten Weltkrieg vergrößert. Andererseits vertraute man trotz der Schlappe im sowjetisch-finnischen Winterkrieg der Stärke der Roten Armee. Das niedrige Niveau und die Einseitigkeit der Kenntnisse über Vorgänge jenseits der Grenzen – ein Resultat der Isolierung von der übrigen Welt und der plumpen Propaganda der KPdSU – nicht zuletzt aber auch die Einstellung jeder antifaschistischen Aufklärung nach Abschluß des Pakts mit Hitler-Deutschland hatten zur Folge, daß breiten Bevölkerungsschichten nicht klar war, was im Falle eines deutschen Anfriffs auf sie zukam. Die Propagandisten der Partei hatten zudem die Illusion verbreitet, ein Angriffskrieg auf die Sowjetunion würde binnen kurzem daran scheitern, daß sich die Arbeiter- und Bauernmassen des angreifenden Landes gegen eine Regierung auflehnen würde, die gegen das ”Vaterland aller Werktätigen” Krieg führe.
Stalins Politik der letzten Monate vor dem Krieg war widersprüchlich. Die Rote Armee wurde verstärkt mit modernen Waffen ausgerüstet. Von Bedeutung waren vor allem die Ersetzung der völlig veralteten Panzer durch den neuen
T 34 (von dem bis Kriegsbeginn zwar mehr als 1000 Stück ausgeliefert waren, die ersten Exemplare aber erst im April in den Grenzbezirken eintrafen, wodurch kaum Zeit blieb, die Mannschaften einzuschulen) und die Einführung der Katjuscha-Raketenwerfer (der berühmten Stalinorgeln, die erstmals in der Schlacht um Smolensk im Juli 1941 zum Einsatz gelangten). Gleichzeitig untersagte Stalin alles, was die potentiellen deutschen Aggressoren ”provozieren” könnte. Das ging so weit, daß sich einzelne Befehlshaber an der Grenze noch in den Morgenstunden des 22. Juni weigerten, an ihre Soldaten scharfe Munition auszugeben.6

Obwohl sowjetische Kundschafter ihrer Regierung sogar das genaue Angriffsdatum mitteilten, das durch Angaben deutscher Überläufer sowie durch Hinweise ausländischer Diplomaten bestätigt und durch Beobachtungen der eigenen Grenztruppen am 20. und 21. Juni zur Gewißheit wurde, erteilte Stalin erst wenige Stunden davor den Befehl zur Herstellung der Kriegsbereitschaft.7

Zu denen, die die sowjetische Führung warnten, zählten übrigens auch Österreicher: Boris Ponomarjow, Mitarbeiter der Kommunistischen Internationale, berichtete, daß er Ende Mai 1941 zwei österreichische Kommunisten getroffen habe, die ”von drüben” kamen und ihm von gewaltigen Kriegsvorbereitungen Deutschlands gegen die Sowjetunion berichteten. Über den Generalsekretär der Komintern, Georgi Dimitroff, leitete er diese Nachricht an Stalin weiter, der mitteilte, daß er ”keinen Grund für eine außerordentliche Beunruhigung” sehe und das Politbüro gerade die Urlaubspläne berate.8

STALINS SCHULD AM DESASTER DER ERSTEN KRIEGSWOCHEN

Der Sieg über den Hitler-Faschismus, der in erster Linie ein Verdienst der sowjetischen Armee ist, hat Stalin den Nimbus eines großen Heerführers verliehen.9 Die sowjetischen Historiker10 sind heute weitgehend einig darüber, daß Stalin unmittelbar verantwortlich ist für das schreckliche Desaster der ersten Kriegswochen. Er verfügte zwar über militärische Erfahrungen, jedoch aus der Zeit des Bürgerkriegs. Die Kenntnisse, die er sich 1941 binnen weniger Monate aneignete, waren schrecklich teuer erkauft. Allein die Fehlentscheidung, die unhaltbar gewordene ukrainische Hauptstadt Kiew nicht rechtzeitig zu räumen, führte zur Einkesselung von 450.000 sowjetischen Soldaten.

Die sowjetische Armee verlor in den ersten drei Kriegswochen 30 Divisionen zur Gänze, 70 weitere wurden auf die Hälfte ihrer Mannschaftsstärke dezimiert. Die sowjetische Luftwaffe wurde bereits in den ersten Kriegstagen weitgehend außer Gefecht gesetzt, Ende September verfügte sie noch über ganze 3,6 Prozent ihrer Flugzeuge. Bis Anfang 1942 gerieten mehr als dreieinhalb Millionen sowjetische Soldaten in deutsche Gefangenschaft.

Der Diktator selbst suchte nach immer neuen Sündenböcken für die von ihm verschuldete Katastrophe. Mitten in den heftigsten Abwehrkämpfen des Sommers 1941 setzte er eine Verhaftungswelle unter den Kommandeuren in Gang. Familien von sowjetisehen Soldaten, die sich in Gefangenschaft begaben, erhielten keinerlei staatliche Unterstützung, die Familien von Überläufern wurden überhaupt deportiert. Nach dem Sieg wurden sowohl Kriegsgefangene als auch Zwangsverpflichtete neuerlichen Repressalien unterworfen, viele Zehntausende kamen aus den deutschen Konzentrationslagern direkt in die Lager des sowjetischen Innenministeriums.

Aber schon wahrend des Kriegs wurden ganze Völker umgesiedelt, unter denen die deutschen Besatzer entweder tatsächlich Kollaborateure rekrutiert hatten (Krim-Tataren, nordkaukasische Völker11 oder welche anwerben hätten können (Wolga-Deutsche). Mehr als hunderttausend sowjetische Soldaten befaßten sich im Hinterland mit der Deportation von Familienangehörigen von Männern, die oft zur selben Zeit an der Front die Sowjetunion verteidigten.

DER VATERLÄNDISCHE KRIEG

Stalins Verdienste lagen weniger auf militärischem als auf politischem Gebiet. Ohne Skrupel setzte er auf nationale und religiöse Gefühle im Volk, um die breitestmögliche MobiIisierung für den Verteidigungskrieg zu erreichen. Die atheistische Propaganda wurde schlagartig eingestellt, die Gottlosen-Bewegung aufgelöst, die Helden der russischen Geschichte aus der Zarenzeit ins Gedächtnis gerufen und der Krieg ein vaterländischer genannt. In seiner ersten Radiorede nach Beginn des Krieges, am 3. Juli, erinnerte Stalin allerdings nicht nur an das Schicksal Napoleons (der sogar Moskau eingenommen, den Krieg aber trotzdem verloren hat) und Wilhelms II im ersten Weltkrieg, sondern erklärte den Krieg auch zum Auftakt der Befreiung der Völker Europas von der Gefahr der faschistischen Versklavung. Er traf mit seiner Rede genau die Stimmung jener, die der deutsche Angriff nicht in lähmendes Entsetzen versetzt hatte, sondern die zu kämpfen gewillt waren. Dieser Kampfgeist wurde von der Gewißheit beseelt, im Namen der ganzen zivilisierten Menschheit einen ”heiligen Krieg” gegen die “dunklen Kräfte” des Faschismus, den ”Abschaum der Menschheit”, zu führen, wie es in dem Lied ”Wstawaj, strana ogromnaja” (”Steh auf, steh auf, du Riesenland”) hieß. Dessen Text war bereits am dritten Tag des Kriegs, als von Stalin noch keinerlei diesbezüglichen Direktiven ausgingen, veröffentlicht worden. Am 27. Juni verabschiedete das Rotarmisten-Ensemble zum erstenmal die Moskauer Soldaten, die an die Front fuhren, am Belorussischen Bahnhof mit diesem Lied, das binnen kurzem fast so etwas wie eine Hymne des “Großen Vaterländischen Kriegs” wurde.12

Vor allem aber vermochte Stalin der Bevölkerung die Überzeugung zu vermitteln, daß es gelingen könnte, die deutsche Blitzkriegs-Strategie zum Scheitern zu bringen, den Krieg in die Länge zu ziehen und damit die Chance für einen Erfolg selbst dann zu wahren, wenn die großen Zentren aufgegeben werden mußten. Die größte diesbezügliche Leistung war die rechtzeitige Verlagerung eines Großteils der Kriegsindustrie an und hinter den Ural. Organisator der Kriegsindustrie war Molotows Stellvertreter Nikolai Wosnessenski, der 1950 unter fadenscheinigen Vorwänden verurteilt und hingerichtet wurde.

Stalin erkannte auch die Bedeutung symbolischer Handlungen: Er harrte in Moskau aus, als die deutschen Truppen schon am Stadtrand standen, leitete nicht nur persönIich die Feier zum Jahrestag der Oktoberrevolution in der U-Bahn-Station Majakowskaja, sondern befahl auch die Durchführung der jährlichen Militärparade am 7. November auf dem Roten Platz. Die Zuversicht ihres Oberkommandieren übertrug sich auf die Verteidiger der Hauptstadt und war damit entscheidend für den Sieg vor Moskau vom November-Dezember 1941, der wohl den eigentlichen Wendepunkt des zweiten Weltkriegs darstellt.

Doch nicht nur dieser Erfolg, sondern auch die Katastrophe des Sommers 1941 war eine direkte Folge der Alleinherrschaft Stalins: Die Umgebung des Diktators hatte sich gehütet, ihn durch Meldungen zu reizen, die seiner Einschätzung widersprachen. Die Führung der Roten Armee wußte zwar, daß Hitler-Deutschland eine gigantische Kriegsmaschinerie an der sowjetischen Westgrenze konzentrierte, ”aber das Volkskommissariat für Verteidigung und der Generalstab taten so, als würde Hitler nicht einmal daran denken anzugreifen, solange Stalin dies nicht wünschte”.13

Das konnte man der Führung einer Armee nicht verdenken, die erst wenige Jahre zuvor faktisch geköpft worden war: Infolge des Wütens der Geheimpolizei verloren Armee und Flotte 1937/38 etwa 45 Prozent ihrer Kommandeure und Politkommissare. Die hervorragendsten sowjetischen Heerführer wurden entweder hingerichtet wie Michail Tuchatschewski oder zu Tode gefoltert wie Wassili Blücher. In den anderthalb Jahren der ”Säuberung” der Roten Armee von Mai 1937 bis September 1938 waren rund 40.000 Militärangehörige14 ”repressiert” worden.

Trotz intensiver Bemühungen, diese Lücke durch eine beschleunigte Ausbildung in Kursen auszufüllen, hatten Anfang 1941 nur 7,1 Prozent der kommandierenden Offiziere eine Militäritärakademie absolviert, 12,4 Prozent aller Kommandeure hatten immer noch keine militärische Ausbildung. Als einige der neuen Armeekommandanten dann in den ersten Kriegstagen versagten, wurden sie wegen ”Desorganisierung” und ”bewußter Wehrkraftzersetzung” hingerichtet. Hitler trieb seine Generäle bei der Ausarbeitung der Angriffspläne gegen die UdSSR unter anderem gerade deshalb zur Eile, weil die ”Zertrümmerung Rußlands” am besten jetzt erfolge, wo die sowjetische Armee ”ohne Kopf” sei und “keine Führer” habe.15

DIE DEUTSCHEN KRIEGSPLÄNE SAHEN DIE ERMORDUNG VON MILLIONEN MENSCHEN VOR

Über die Zielsetzungen, die die NS-Führung mit dem Angriff auf die Sowjetunion verband, herrscht seit Jahrzehnten Klarheit: Am bündigsten zusammengefaßt wurden sie bereits in den sechziger Jahren, und zwar nicht von einem Linken, sondern von Andreas Hillgruber – jenem Kölner Historiker, der 1986 die Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa mit der Judenvernichtung gleichsetzte und dadurch (mit Ernst Nolte, der den sowjetischen Gulag als Vorbild für Auschwitz hinstellte) den ”deutschen Historikerstreit”16 auslöste. Diese Zielsetzungen waren:

- die Ausrottung der ”jüdisch- bolschewistischen” Führungsschicht sowie der Juden in Ostmitteleuropa, – die Gewinnung von Kolonial- und Lebensraum für das Dritte Reich – die Dezimierung und Unterwerfung der slawischen Bevölkerung unter deutsche Herrschaft in neu zu errichtenden sogenannten ”Reichskommissariaten” und

– die Errichtung eines autarken, blockadefesten ”Großraumes” Kontinentaleuropa unter Hitlers Herrschaft, wobei die eroberten sowjetischen Gebiete die ökonomischen Ergänzungsräume bilden und die kontinentale Vorherrschaft gewährleisten sollten, um das Fernziel einer .”Weltmachtstellung” erreichen zu können.17

Als Hitler am 30. März seine Generäle versammelte, um die Grundzüge des bevorstehenden Kriegs gegen die Sowjetunion zu erläutern, forderte er, vom Standpunkt des ”soldatischen Kameradentums” sowohl im Kampf als auch nach der Gefangennahme abzurücken: ”Der Kommunist ist vorher kein Kamerad und nachher kein Kamerad. Es handelt sich um einen Vernichtungskampf.18

Am 13. Mai 1941 regelt das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) mit einem ”Führererlaß” über die Ausübung der Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet ”Barbarossa” (mit dieser Anspielung auf Kaiser Friedrich I., den Führer des 3. Kreuzzugs, wurde der ”Rußlandfeldzug” getarnt) die Mitwirkung der Wehrmachtssoldaten an dem vor allem von den ”Einsatzgruppen” der SS durchzuführenden Vernichtungsprogramm: ”Gegen Ortschaften, aus denen die Wehrmacht hinterhältig oder heimtückisch angegriffen wurde, werden unverzüglich [...] kollektive Gewaltmaßnahmen durchgeführt”, wobei ”für Handlungen, die Angehörige der Wehrmacht und des Gefolges gegen feindliche Zivilpersonen begehen, [...] kein Verfolgungszwang” bestehe – ”auch dann nicht, wenn die Tat zugleich ein militärisches Verbrechen oder Vergehen ist”.19

Die ”Richtlinien für das Verhalten der Truppe in Rußland” vom 19. Mai 1941 verlangten ”rücksichtsloses und energisches Durchgreifen gegen bolschewistische Hetzer, Freischärler, Saboteure, Juden”. Die ”Richtlinien” wurden einen Monat nach Kriegsbeginn durch eine Weisung aus dem Oberkommando des Heeres über die Behandlung von feindlichen Zivilpersonen und sowjetischen Kriegsgefangenen ergänzt, in welcher gefordert wurde, ”jede Nachsichtigkeit oder gar Anbiederung [...) strengstens zu ahnden”.20

Der barbarische Charakter der deutschen Kriegsführung kam auch in der Behandlung der Kriegsgefangenen zum Ausdruck. Von den sowjetischen Gefangenen der ersten Wochen ließ die Deutsche Wehrmacht fast zwei Drittel verhungern21. Insgesamt kamen rund dreieinhalb Millionen sowjetische Gefangene in deutschen Lagern ums Leben. Eine völlige Aufhebung völkerrechtlicher Schutzbestimmungen für Kriegsgefangene bedeutete der ”Kommissarbefehl” vom 6. Juni 1941: Er verfügte die Liquidierung aller politischen Amtsträger unter den gefangengenommenen sowjetischen Soldaten22.

In den Berichten einzelner Truppenteile wurde in den ersten Wochen des Feldzugs gemeldet, wie viele ”Kommissare” erschossen worden seien. Mit der Verlangsamung des deutschen Vordringens wurde seitens der Wehrmacht eine Rücknahme des Befehls vorgeschlagen, um sowjetischen Truppenteilen die Kapitulation zu erleichtern, was Hitler aber ablehnte.23

WOLLTE STALIN DEUTSCHLAND ANGREIFEN?

Der deutsche Überfall am 22. Juni 1941 war von langer Hand vorbereitet, die Entscheidung darüber fiel bereits im Sommer 1940. Im Zusammenhang mit dem deutschen ”Historikerstreit” wurde in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre allen Ernstes die bis dahin nur in rechtsextremen Publikationen vertretene These von einem angeblich im Sommer 1941 bevorstehenden sowjetischen ”Präventivschlag” gegen Hitler-Deutschland unter deutschen Wissenschaftern diskutiert. Zwar gingen nicht alle Vertreter der Präventivkriegs-These so weit wie der Grazer Philosoph Ernst Topitsch, der den zweiten Weltkrieg als Angriff der Sowjetunion auf die westlichen Demokratien (Hitler als ”Marionette Stalins”) interpretiert, 24 doch besonders die durch nichts belegten Behauptungen des sowjetischen Überläufers Viktor Suvorov, ”Yes, Stalin Was Planning to Attack Hitler in June 1941”25, fanden auch in seriösen Zeitungen breite Resonanz.

Tatsächlich hat Stalins Forderung den Gegner auf seinem eigenen Territorium zu schlagen, in den Überlegungen des sowjetischen Generalstabs vom Frühjahr 1941 eine Rolle gespielt. Stalin hatte die Ausarbeitung von Abwehrplänen, die der deutschen Übermacht Rechnung trugen, aus Angst, eine ”Rückzugsgesinnung” zu kultivieren, verhindert.26

Die ”Felddienstordnung” von 1939 hatte verlangt, den Verteidigungskrieg ”offensiv” zu führen ”und ihn auf das Territorium des Gegners zu tragen”.27 Und in seiner Rede vor den Offizieren am 5. Mai 1941 hat Stalin einen Krieg mit Deutschland spätestens 1942 als ”fast unvermeidlich” bezeichnet, wobei die Rote Armee ”je nach internationaler Situation [...] einen deutschen Angriff abwarten oder aber selbst die Initiative ergreifen” werde, ”da eine dauernde Vorherrschaft Nazi-Deutschlands in Europa ,nicht normal’ sei”.28 ”Angriffspläne” kann daraus aber nur ableiten, wer derartige Zitate aus dem historischen Zusammenhang reißt.

Es ist daher – angesichts des zum bevorstehenden Jahrestag zu erwarten den Wiederkäuens der abstrusen Thesen Topitschs (die schon 1989, zum Jahrestag des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts, wieder aufgewärmt wurden) durch österreichische Zeitungen – mit Nachdruck festzuhalten, daß sogar in der aufgeladenen Atmosphäre des ”Historikerstreits” die wenigen Vertreter der Präventivkriegs-These völlig isoliert blieben und auch sehr konservative Historiker jede Nachbarschaft zu derartigen Versuchen, die Goebbels-Propaganda fortzuschreiben, mieden.

VERSPÄTETE ”VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG”

Der 22. Juni 1941 ist in der Sowjetunion eine offene Wunde geblieben. In den ersten Nachkriegsjahren überhaupt tabuisiert, blieb es lange Zeit Romanautoren und Memoirenschreibern vorbehalten, Aussagen über diese schwerste Belastungsprobe des Sowjetstaats zu treffen. Doch die Menschen wußten aus ihrer eigenen Familiengeschichte, wie gewaltig die Katastrophe des Sommers 1941 gewesen ist. Nicht nur, dass es im europäischen Teil der UdSSR keine Familie gibt, in der nicht mehrere Opfer zu beklagen sind, noch wirksamer sind die Erinnerungen an das, was die Überlebenden durchlitten: An die 55 Millionen Bürger der Sowjetunion gerieten 1941/42 zeitweilig unter deutsche Herrschaft, 25 Millionen waren geflüchtet oder evakuiert worden. Von den Verbliebenen mußten 22 Millionen für die deutschen Besatzungsbehörden arbeiten, 2,8 Millionen wurden als ”Ostarbeiter” ins Deutsche Reich verschickt.29 Stalins Fehleinschätzungen jener Tage zählen zu den meistdiskutierten historischen Problemen in der Sowjetunion. Denn das militärische Debakel der ersten Kriegswochen hat tiefe Spuren hinterlassen und ein Sicherheitsbedürfnis erzeugt, das bis heute nachwirkt. (Als die ”Prawda” 1988 die Stalin-Biografie Dimitri Wolkogonows vorstellte, wählte sie für ihren Vorabdruck bezeichnenderweise Auszüge aus dem Kapitel über die Jahre 1939 – 1941.)

Nach dem Krieg gab die sowjetische Führung Verluste von sieben Millionen Soldaten zu, auf die Nennung konkreter Gesamtzahlen wurde überhaupt verzichtet. Lange Zeit schwiegen sich sogar detailIierte demografische Studien (wie etwa jene von Boris Urlanis30) über die konkreten Ziffern aus oder gaben nur ganz vage und meist viel zu gering veranschlagte Gesamtzahlen der Opfer des zweiten Weltkriegs an, um indirekte Rückschlüsse über die tatsächlichen sowjetischen Verluste zu verhindern. Diese werden in der westlichen Literatur seit langem auf etwa 20 Millionen Menschen geschätzt. In den siebziger Jahren hat man auch in der Sowjetunion diese Zahl übernommen.31 1989 teilte der Militärhistoriker Wolkogonow das Ergebnis seiner Berechnungen mit: Zwischen 26 und 28 Millionen Menschen, ”von denen nicht weniger als 10 Millionen auf dem Schlachtfeld oder in Kriegsgefangenschaft starben”.32 Heute werden in sowjetischen Presseberichten allgemein 27 Millionen angegeben, allerdings sind auch Schätzungen aufgetaucht, die noch weit höhere Verluste (über 40 Millionen) annehmen.


ANMERKUNGEN:

1 Laut Komitee für Staatssicherheit (KGB) wurden von 1930 bis 1953 von Gerichten und ”außergerichtlichen Organen” 786.098 Personen wegen ”konterrevolutionärer Verbrechen” und ”Verbrechen gegen den Staat” zum Tode und weitere 2,992.136 Personen zu sonstigen Strafen verurteilt. Die Todesurteile wurden sofort vollstreckt. Über die Zahl der Erschießungen ohne formelles Urteil gibt es bisher ebensowenig konkrete Angaben wie über die in den Lagern Umgekommenen und in den Gefängnissen zu Tode Gefolterten. Die Berechnungen des KGB wurden von der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS am 13. Februar 1990 veröffentlicht.

2 Der Autor dieser Zeilen hat – gestützt auf sowjetische, aber auch westliche Literatur – noch vor wenigen Jahren mit diesem Argument den stalinistischen Terror teilweise gerechtfertigt; in ”Die Kommunistische Partei Österreichs. Beiträge zu ihrer Geschichte und Politik”, Wien 1987 (2. Aufl. 1989); im Kapitel ”Die österreichische Arbeiterbewegung und die Sowjetunion in den dreißiger Jahren”, besonders S. 242.

3 Zit. nach: Alexander Werth, ”RußIand im Krieg 1941 – 1945”, München/Zürich 1965, S. 114 f.

4 Siehe dazu vor allem: Dimitri Wolkogonow, ”Stalin. Triumph und Tragödie. Ein politisches Porträt”, Düsseldorf 1989.

5 Der volle Text dieser Rede wurde nicht publiziert, doch berichtete die ”Prawda” (am 6. Mai 1941) immerhin unter dem Titel ”Wir müssen auf jede Überraschung vorbereitet sein” über den Empfang. Der aus Rußland stammende britische Journalist Alexander Werth, der während des Kriegs als Korrespondent in Moskau war, faßt in seinem Buch jene Punkte der Rede zusammen, die in allen Mitteilungen, die er darüber erhielt, übereinstimmten: Alexander Werth, ”RußIand im Krieg ...”, a. a. O., S. 112 f.

6 Quellenangabe dazu in: Ebenda, S. 129.

7 Der Text dieser Direktive, die die Truppen erst eine Stunde vor Beginn des deutschen Überfalls erreichte, ist abgedruckt in: Dimitri Wolkogonow, ”Stalin ...”, a. a. O., S. 557.

8 Ebenda, S. 549.

9 Noch heute wird - nicht nur in den Reihen der KPdSU, sondern auch in anderen kommunistischen Parteien - Kritikern der stalinistischen Verbrechen vorgeworfen, sie würden Stalin ”nicht verzeihen” (so wörtlich ein alter Genosse in einem Brief an mich, nachdem ich ihm das Konzept meiner 1989 in ”Weg und Ziel veröffentlichte Artikelserie zum deutsch-sowjetischen Pakt übersandt hatte), daß die UdSSR unter seiner Führung den Krieg gewonnen hat.

10 Seit 1988 erscheinen in sowjetischen Zeitungen und Zeitschriften Aufsätze zum Thema ”Stalin und der Krieg”. Ein Teil von ihnen wird (meist gekürzt) laufend in der auch in deutscher Sprache erscheinenden Zeitschrift ”Sputnik” veröffentlicht.

11 Der Vorwurf der Kollaboration an ganze Völker folgte Argumentationsmustern, die denen der Nationalsozialisten nicht unähnlich waren. Bezeichnenderweise wurden nur nichtslawische Völker deportiert – und auch nur nationale Minderheiten mit einigen zehn- bis hunderttau- send Angehörigen. Wie absurd die Begründung der ”Kollaboration” für diese dem großrussischen Chauvinismus entspringende nationale Unterdrückungsmaßnahme war, läßt sich daraus ermessen, daß nach dieser Logik auch die fast 40 Millionen Ukrainer hätten umgesiedelt werden müssen, weil es unter ihnen die meisten Kollaborateure gab.

12 A. Grigo, Prisywny klitsch ottschisny (”Der Einberufungs-Kampfruf des VaterIandes”), in:”Molodoj Kommunist” 5/1975, S. 62 ff. In der deutschen Nachdichtung von Erich Weinert wurde aus dem ”heiligen Krieg” ein ”Krieg der Menschheit”.

13 Dimitri Wolkogonow”,Stalin...”,a.a.O.,S.550.. ” 36.

14 36.761 Rotarmisten und mehr als 3000 Rote Matrosen. Die Repressalien reichten vom Ausschluß aus den Streitkräften bis zur Hinrichtung. Noch 1939 wurden hunderte Verfahren durchgeführt. Siehe: Ebenda, S. 494 f. Detaillierte Zahlen in: Wassili Polikarpow, ”Ein Brief an Stalin. Das Schicksal Fjodor Raskolnikows und die Ermordung der sowjetischen Militärführung im Jahre 1937”;in: Gert Meyer (Hrsg.), ”Wir brauchen die Wahrheit. Geschichtsdiskussion in der Sowjetunion”, Köln 1988, S. 186.

15 Hitler vor den Befehlshabern der Deutschen Wehrmacht am 9. Jänner 1941, It. Kriegstagebuch des OKW; zit. in: Heinz Bergschicker, ”Deutsche Chronik 1933 – 1945”, Berlin 1988., S. 317.

16 Die wichtigsten Stellungnahmen sind abgedruckt in: Reinhard Kühnl (Hrsg:), ”Streit ums Geschichtsbild. Die ’Historiker-Debatte’. Darstellung, Dokumentation, Kritik”, Köln 1987. Siehe auch: Ralph Giordano, ”Die zweite Schuld oder Von der Last Deutscher zu sein”; Hamburg/Zürich 1987. Giordano setzt sich ausführlich mit Hillgrubers Sinneswande! auseinander.

17 Andreas Hillgruber, ”Hitlers Strategie. Politik und Kriegführung 1940/1941”, 2. Aufl., München 19S2, S. 519 f.

18 Kriegstagebuch Generaloberst Franz Halder, zit. nach: Ernst Klee/Willi Dreßen (Hrsg.), ’Gott mit uns’. Der deutsche Vernichtungskrieg im Osten 1939 – 1945”, Frankfurt/Main 1989, S: 22.

19 Der Erlaß ist in mehreren Dokumentensammlungen abgedruckt, u. a.: ”Eine Schuld, die nicht erlischt. Dokumente über deutsche Kriegsverbrechen in der Sowjetunion”, Köln 1987, S. 33 ff.

20 Auch die ”Richtlinien” und die auf sie Bezug nehmenden Erlässe sind mehrfach abgedruckt, u. a. in: Ditte Gerns, ”Hitlers Wehrmacht in der Sowjetunion. Legenden – Wahrheit – Tradition – Dokumente”, Frankfurt/Main 1985, S.26.

21 Im Winter 1941/42 verhungerten täglich etwa 6000 der in deutschem Gewahrsam befindlichen sowjetischen Soldaten. Siehe: Christian Streit, ”Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945”, Stuttgart 1978, S. 12S ff.

22 Ditte Gerns, ”Hitlers Wehrmacht ...”, a. a. p S. 20 f. Detailliert zu Entstehungsgeschichte und Durchführung des ”Kommissarbefehls”: Helmut Krausnick, ”Kommissarbefehl und ‘Gerichtsbarkeitserlaß Barbarossa’ in neuer Sicht”; in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 25. Jg: (1977), S. 682 – 738.

23 Erst nach den deutschen Niederlagen des Winters 1941/42 erklärte sich Hitler - “um die Neigung zum Überlaufen und zur Kapitulation sowjetrussischer Truppen zu steigern” – damit einverstanden, dass den politischen Offizieren der Roten Armee ”zunächst versuchsweise in solchen Fällen die Erhaltung ihres Lebens zugesichert werden kann”. Siehe: Ebenda, S. 738.

24 Stalin habe, so Topitsch, Hitler ”übertölpelt”, indem er dessen ”abenteuerliche und verantwortungslose Expansionspolitik” als Werkzeug dafür benützte, ”um aus dem Hintergrund jenen ‘zweiten imperialistischen Krieg’ auszulösen, der zum Grundbestand der sowjetischen Langzeitstrategie gegen den Westen gehörte”. (Kleine Zeitung, 22. August 1989.) .

25 So der Titel eines seiner Aufsätze. Siehe: Gerd R. Ueberschär, ’Historikerstreit’ und Präventivkriegsthese. Zu den Rechtfertigungsversuchen des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion 1941”, in: Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, 26. Jg. (1987) Heft 103, ’ S. 112 ff.

26 Dimitri Wolkogonow, ”Stalin ...”, a. a. O., S. 547.

27 Zit. in: Alexander Werth, ”Rußland im Krieg,, ...”, a, a. 0., S. 118.

28 Ebenda, S. 112.

29 Rolf-Dieter Müller, ”Die Rekrutierung sowjetischer Zwangsarbeiter für die deutsche Kriegswirtschaft”, in: Ulrich Herbert (Hrsg.), ”Europa und der ’Reichseinsatz’. AusIändische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge in Deutschland 1938 – 1945”, Essen 1991, S. 234.

30 Boris Zesarewitsch Urlanis, ”Bilanz der Kriege. Die Menschenverluste Europas vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart”, Berlin 1965. Diese materialreiche Arbeit verliert durch das geradezu peinliche Herumreden um die sowjetischen Verluste im zweiten Weltkrieg an Aussagekraft. So heißt es auf S. 199: ”Millionen sowjetischer Patrioten schonten ihr Leben, das Teuerste, was ein Mensch besitzt, nicht, um das sozialistische Vaterland vor der Versklavung durch die Faschisten zu bewahren.” Auf S. 201’, schreibt der Autor von ”erheblichen” Menschenverlusten. Auf
S. 216 heißt es: ”Besonders erwähnt werden müssen die Verluste der UdSSR, die, im Großen Vaterländischen Krieg bedeutend höher waren als 1914-1918 und in allen anderen Kriegen, an denen Rußland teilnahm.” Ihre genaue Höhe geht laut Urlanis aus der Volkszählung 1959 hervor. Der Autor publiziert aber eine einzige Tabelle – die zum “Frauenüberschuß” (insgesamt ergeben die Ziffern zu den einzelnen Jahrgängen eine Zahl von mehr als 20 Millionen) – und begründet dann, warum es unrichtig sei, diesen Überschuß ”mit der Zahl der militärischen Verluste der UdSSR im großen Vaterländischen Krieg gleichzusetzen (S. 200) ohne diese Verluste zu präzisieren. Die einzige konkrete Ziffer gibt er als Zitat aus einem Zeitungsartikel(!) an:”Allein im ersten Kriegsjahr opferten 400.000 Kommunisten ihr Leben im Kampf um die Heimat.” Diese 1959 in der “Prawda” genannte Zahl zeuge “von dem Ausmaß der Opfer, die das Sowjetvolk auf den Siegesaltar legte (S. 201).

31 Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion”. In sechs Bänden, hrsg. vom Institui für Mamismus-Leninismus beim ZK der KPdSU, Bd. V/2, Moskau 19S2, S. 18.

32 Dimitri Wolkogonow,.”Stalin....”, a. a. O, S. 683.

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