KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Im ÖGB-Verlag erschienen: "Oktoberstreik"

(5.5.2016)

Oktoberstreik. Neubewertung des Streikbewegung und Rehabilitierung der nach dem Streik Ausgeschlossenen

Am 29. Oktober des Vorjahres fasste der Bundesvorstand des ÖGB den Beschluss, die Streikbewegung vom September und Oktober 1950 neu zu bewerten und zu den nach dem „Oktoberstreik“ erfolgten Ausschlüssen kommunistischer Gewerkschaftsfun­ktionärInnen Stellung zu beziehen: Einstimmig, also mit den Stimmen aller Fraktion, wurde hierin die Behauptung, es habe sich beim Streik um einen kommunistischen Putsch gehandelt, als widerlegt betrachtet, und die Ausschlüsse wurden als unberechtigt eingeschätzt (wir haben darüber berichtet).

Diesem Beschluss vorausgegangen war ein Antrag des Gewerkschaftlichen Linksblocks (GLB) an die Geschäftsleitung des ÖGB, anlässlich des 70. Jahrestages seiner Gründung dessen ersten Vizepräsidenten Gottlieb Fiala – und mit ihm alle nach dem Oktoberstreik ausgeschlossenen KollegInnen – zu rehabilitieren. In Reaktion darauf hatte der ÖGB-Bundesvorstand im Frühjahr 2015 eine vierköpfige HistorikerInnen­kommission eingesetzt, der zwei vom ÖGB namhaft gemachte HistorikerInnen – Peter Autengruber (Leiter des ÖGB-Verlags) und Brigitte Pellar (ehemalige Leiterin des Instituts für Gewerkschafts- und Arbeiterkammer­geschichte) – sowie zwei vom GLB nominierte Mitglieder – Hans Hautmann (vormals Universitätspro­fessor für Neuere und Zeitgeschichte an der Universität Linz) und Manfred Mugrauer (wissenschaftlicher Sekretär der Alfred Klahr Gesellschaft) – angehörten. Diese Kommission hatte dem ÖGB hierauf empfohlen, anknüpfend an den Stand der zeitgeschichtlichen Forschung der Putschlegende eine Absage zu erteilen und die damaligen Maßregelungen für ungültig zu erklären.

Der Beschluss des ÖGB-Bundesvorstands war vor allem deshalb bemerkenswert, weil er den innergewerkschaf­tlichen Schlusspunkt unter den überaus langlebigen Mythos vom „Kommunistenputsch“ markierte. Auf die Kritik von KPÖ und GLB ist jedoch gestoßen, dass der Beschluss offenbar nur nach innen gerichtet war: Er wurde in keiner Presseaussendung erwähnt und war auch auf der Homepage des ÖGB nicht abrufbar. Mit Ausnahme der „Volksstimme“ und des GLB hat er keinerlei Öffentlichkeit gefunden.

Ein halbes Jahr später wurde dieser Mangel mehr als wettgemacht, ist doch nun im ÖGB-Verlag ein von Peter Autengruber und Manfred Mugrauer verfasstes Buch erschienen, in dem die Legenden um den Oktoberstreik analysiert und die damals erfolgten Ausschlüsse aus dem ÖGB detailliert dokumentiert werden. Im Vorwort des Bandes schreibt der Präsident des ÖGB Erich Foglar: „Mit dem emotionalen Abstand und neuen Erkenntnissen ist es nun möglich, sich endgültig von bisherigen traditionell eingefahrenen Bildern zu lösen und die Geschichte des Oktoberstreiks neu zu schreiben. Die Quintessenz ist: Der Oktoberstreik 1950 war kein kommunistischer Putschversuch. Daher war der Ausschluss von Gottlieb Fiala und vieler anderer Gewerkschaftsfun­ktionärInnen aus heutiger Sicht ungerechtfertigt. Diese Korrekturen sollen nun möglichst rasch Eingang in sämtliche Geschichtsbücher und Bildungsunterlagen finden.“

Insgesamt konnten von den beiden Historikern 78 Gewerkschaf­terInnen – 74 Männer und vier Frauen – ermittelt werden, die nach dem Streik aus zwölf der damals 16 Einzelgewer­kschaften des ÖGB ausgeschlossen wurden. Am meisten – nämlich 23 – waren es in der Gewerkschaft der Metall- und Bergarbeiterer. Unter den Ausgeschlossenen befanden sich vier stellvertretende Vorsitzende, elf hauptamtliche kommunistische Gewerkschaftsse­kretäre und insgesamt 23 Vorstandsmit­glieder der KPÖ. Alle 78 sind mit einer Kurzbiographie portraitiert, darunter Spitzenfunktionäre wie Leopold Hrdlicka (stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangeste­llten), Egon Kodicek (stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Textilarbeiter) und Fritz Neubauer (stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter) oder auch heute noch bekannte kommunistische Arbeiterfunktionäre wie Franz Petz (Betriebsratsobmann der Alpine Donawitz), Franz Voves (Betriebsrat und später Betriebsratsobmann der Grazer Puch-Werke) und Ernst Schmidt (Betriebsrat und später Betriebsratsobmann von Austro-Fiat in Wien-Floridsdorf). Das reich bebilderte Buch ist über den ÖGB-Verlag erhältlich:

Peter Autengruber/Manfred Mugrauer: Oktoberstreik. Die Realität hinter den Legenden über die Streikbewegung im Herbst 1950. Sanktionen gegen Streikende und ihre Rücknahme
Wien: Verlag des Österreichischen Gewerkschaftsbundes 2016
224 S., 24,90 Euro


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