KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Verehrte Frau Minister!

(25.3.2009)

Als FSG-Vertrauenslehrer und roter Personalvertreter am Bundesgymnasium in Horn/NÖ mache ich mir ernstliche Sorgen um den Schulbetrieb im Allgemeinen, die Unterrichtsqualität und die Gesundheit der Kollegen im Besonderen. Speziell die Kollegen der Heftfächer sind mit ihren zeitlichen Ressourcen am Ende. Dass die Lehrerarbeitszeit flexibel ist, liegt natürlich in der Natur des Lehrens begründet. Es gibt Zeiten des Lehrens, des Lernens, des Wiederholens und der Prüfungen (in der Maturazeit Mai und Juni liegt die Arbeitszeit weit über dem Doppelten von 40 Stunden). Alles braucht aber Vorbereitung und Nachbereitung. Eine genau definierte – von bis gehende – Arbeitszeit wie in anderen Berufen ist im Umgang mit jungen Menschen wie in den meisten Sozialberufen einfach nicht möglich. Aber schon einige Studien belegen, dass die Lehrerarbeitszeit weit höher liegt als die von Ihnen veröffentlichten Stundenzahlen.

Abgesehen von den räumlichen Gegebenheiten in den Schulen mit einer Arbeitsfläche von 80×80 cm und vier PCs für 75 Lehrer! Die meiste Arbeit findet daher zu Hause statt – Computer, Internet, Arbeitsmittel, Bücher, ausländische Zeitungen, Telefon, usw. sind steuerlich aber nicht absetzbar! In keinem Beruf der Welt würde ein angestellter Akademiker unter solchen Bedingungen arbeiten. Wenn alle diese Möglichkeiten in der Schule gegeben wären, würden wir alle gerne unser 40 Stunden (inklusive Konferenzen, Bereitschafts- und Sprechstunde, Beratungsgespräche, Gangaufsicht usw.) in der Schule arbeiten. Denn dann hätten wir wenigstens eine 40-Stunden-Woche und nicht, so wie jetzt, weit mehr Arbeit und ständige Vorhaltungen!

Ihr Gedanke, nur zwei Stunden von der Arbeit zu Hause in die Klasse zu verlegen, um die Qualität des Unterrichts zu heben, ist glattwegs falsch. Denn dazu müsste man die Stundenzahl der Schüler erhöhen!!!!! Bei Ihrem Modell geht es einzig darum, Arbeitsleistung gratis zu bekommen. Bereits jetzt ist es so, dass die erste Supplierstunde gratis gemacht werden muss. Also wen das Supplieren in einer Woche trifft, der oder die arbeitet einfach eine Stunde gratis – die anderen haben eben Glück!! Eine nicht gerade soziale Regelung.

Ihr Argument, wegen der Wirtschaftskrise einen Solidarbeitrag leisten zu müssen, ist mehr als zynisch. Die Zeche bezahlen zu müssen für Versagen von Bank- und Wirtschaftsfachle­uten, die Sie sicher besser kennen als ich, ist einfach nicht zu akzeptieren.

Wir Lehrer haben einen denkbar schlechten Ruf in der Bevölkerung, jeder war in der Schule und fühlt sich berufen, seine schlechten Erfahrungen zum Besten geben zu müssen. Was auf die Lehrer in den letzten Jahren eingedroschen wurde – Thema Salcher – ist langsam nicht mehr auszuhalten. Der Frust wird spürbar, auch motivierte und engagierte Lehrer haben langsam genug.

Liebe Frau Minister, als erster Preisträger des Teacher Awards 2008 gehöre ich sicher nicht zu den unengagierten Lehrern, aber mir reicht es. Ich habe es satt, immer zu einer Gruppe von Vier-Monatsferien-nichtsarbeitenden-halbtags-Kinderquälern zu gehören. Und zu diesem falschen Bild haben Sie nun einen weiteren Beitrag geleistet. Wir waren so froh, die glücklose und frustrierende Gehrer-Zeit endlich hinter uns gebracht zu haben – und jetzt kommt es doppelt so schlimm. Gratis zu arbeiten fiel nicht einmal Ihrer Vorgängerin ein. Was denken Sie, wie ich als FSGler im Kollegium agieren soll – zumal die AHS von schwarzen Lehrern dominiert ist!

Es tut mir leid, ich bin extrem frustriert, aber was schlimmer ist, extrem enttäuscht, dass solche Ideen von einer sozialistischen Ministerin kommen.

Ich verbleibe mit Wut und Frust im Bauch, Ihr

Mag. Eschelmüller Oswald

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