KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

LUXURY, please

Von Wolf Jurjans (3.12.2007)

Nach einer Zeit, in der wenig über ihn gesprochen wurde, es genügte ja, ihn zu besitzen, ist er in der globalisierten Welt nun wieder im Vormarsch. Hemmschwellen, die vermeiden sollten, mit ihm die begehrliche Masse zu provozieren, sind abgebaut und überschritten. Keine große Stadt, die ihm nicht eine feierliche Messe zelebriert. Ob Wien, Moskau oder Schanghai. Vergessen ist die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes, der im alten Rom erfunden wurde, um damit Verschwendung und Liederlichkeit zu benennen. Ressourcenmangel, Katastrophen, Elend? Neppich. Herausgeführt aus der Schmuddelecke der ethischen Ächtung ist seine Imagekorrektur gelungen. Er ist mittlerweile so geil wie Geiz.

Der Luxus ist wieder da.

Und nicht nur das. Der neue Luxus ist für alle da.

Welcher Art der Luxus ist, entscheidet der Markt, der, glaubt man den neoliberalen Hohepriestern, mit unsichtbarer Hand das Gemeinwohl sinnvoll dirigiert.

Die mit hoher Kaufkraft Gesegneten besuchten die zweite Auflage der Messe „Luxury, please“, die am Sonntag in der Wiener Hofburg zu Ende ging. 21.000 Besucher erlebten, wie sich „die Luxusmetropole Wien mal wieder von ihrer besten Seite zeigte“, so der Veranstalter. Es wurde nicht nur geschaut, sondern auch gekauft. So ging das erste Exemplar einer Nobelküche um 170.000 Euro gleich am ersten Abend weg. Für eine Jacht um 650.000 Euro gab es mehrere Kaufinteressenten. Für Immobilien, Dienstleistungen und andere Luxusprodukte wurden insgesamt 165 Millionen Euro ausgegeben.

Für jede Menge Lebenshilfen die den raschesten Aufstieg in ein dekadentes Leben möglichst erleichtern, war gesorgt. Für Neu-Dekadente gab es einen einfachen Einstieg ohne langes Recherchieren, guter und auch weniger guter Geschmack war vor selektiert und wurde in großen Dosen angeboten.

Auch für jene, die ihre Kohle in christliche Nächstenliebe investieren wollten, fand sich ein sensationelles Angebot. So präsentierte der 66-jährige Pensionist Johann Fink eine Bibel, die er in 7000 Arbeitsstunden mit der Hand abgeschrieben hatte. Sieben Kilo ist das Buch schwer und Ergebnis des Wunsches, „einmal im Leben etwas Sinnvolles tun zu wollen“. Der Kaufpreis lag im fünfstelligen Bereich. Alleine die Freude, dass die Sinnsuche nach 66 Jahren doch noch zu einem Ergebnis geführt hat, ist ja unbezahlbar. Die Wertsteigerung der Investition wird außerdem durch die ständige Erhöhung des Pensionsantrit­tsalters gesichert, die es zukünftigen Abschreibern kaum mehr ermöglichen wird, das dicke Buch zur Gänze zu duplizieren.

Derzeit arbeitet Herr Fink übrigens an einem Buch, in dem er seine Eindrücke des Abschreibens verarbeitet. Es verwundert eigentlich, dass sich noch niemand gefunden hat, das „Kapital“ mit der Hand abzuschreiben – ein für diese Zielgruppe wohl passenderes Angebot.

Weniger dem Überirdischen als dem Praktischen fühlt sich ein Aussteller auf der Millionärsmesse in Moskau verpflichtet. Er bietet das teuerste Kopfschmerzmittel der Welt an. Für 160.000 Euro ist eine durchsoffene Wodka-Nacht im Nu überwunden. Das Wunder vollbringt eine einen Quadratmeter große Kältebox. Bei Minus 85 Grad bringt die Kältetherapie die Durchblutung auf Hochtouren, zaubert das Kopfweh in drei Minuten weg und Herr oder Frau Millionär können schmerzfrei ihren Reichtum

vermehren. Entwickelt wurde das Gerät in Deutschland zur Schmerzbehandlung bei Rheumaerkrankungen.

„Die reichen Russen haben den Fitnesstrend entdeckt“, analysiert der Anbieter, „aber das Wodka trinken können sie nicht lassen.“

Da der neue Luxus diesmal ja für alle sein soll, bekommen auch Kaufkraftlose ihre Chance.

„Wenn die warme Wohnung zum Luxus wird“ titelte der Kurier.

„Viele Steirer“, berichtete die kleine Zeitung, „haben nicht das Geld, warm einzuheizen. Sie müssen frieren. Jeder zwanzigste Steirer kann es sich nicht leisten, an kalten Tagen und Nächten die Wohnung warm zu haben. Es fehlt einfach das nötige Geld.“ Rund 50.000 SteirerInnen sind davon betroffen. So z.B. Anna und Herbert J. Sie sind ein Ehepaar mit kleiner Rente und leben in einer Küche-Zimmer-Wohnung. „Mit unserer Pension geht es sich gerade aus, dass wir die Küche einigermaßen warm einheizen können“, sagt die Hausfrau, "mehr als 18 Grad zeigt das Thermometer nicht an, wir sitzen halt mit Weste, Pullover und dicken

Hauspatschen da."

In der Luxusmetropole Wien sind derzeit 1.000 Wohnungen ohne Strom. 33.000 WienerInnen versuchen, durch Ratenzahlungen der Stromabschaltung zu entkommen, besonders betroffen sind alleinerziehende Frauen. 46.000 Anträge um Heizkostenzuschuss wurden im Vorjahr in Wien bewilligt. Die Zahl jener, die um Unterstützung ansuchen steigt. Die Hemmschwelle, Hilfe anzunehmen, verdeckt eine wahrscheinlich hohe Dunkelziffer.

Vielleicht verlieren die Notleidenden ihre Hemmungen, wenn sie sich das nächste Mal bei der dritten „Luxury please“ Ausstellung selbst davon überzeugen, dass genug für alle da ist.

Und vielleicht wird aus der verschämten Bitte nach Luxus eine unverschämte Forderung nach sozialer Gerechtigkeit.

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