KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Bildungsshopping

Von Natascha Wanek (27.5.2015)

Vom 13. April bis zum 22. Mai 2015 fanden die „Wiener Wochen für Beruf und Weiterbildung“ vom Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds (WAFF) statt. In ganz Wien gabe es größere und kleiner Veranstaltungen bei denen man* sich über Aus- und Weiterbildungsmöglichke­iten und deren Finanzierung informieren konnte. Einige der zahlreichen Veanstaltungen boten die Möglichkeit des „Infoshoppens“. In ganz Wien konnte man*, wie der Name schon sagt, immer wieder Infos zu Beruf und Weiterbildung „shoppen“.

Warum heißen diese Veranstaltung so? Immerhin zahlt man* nicht für die Inforamtionen und es gab sogar gratis Kaffee. Ein paar Vermutungen:

Der Begriff „Shopping“ ist allgemein positiv besetzt. Shopping ist etwas aktives. Man* wählt selbst aus was man* möchte und braucht. (Außen vor bleibt die Reflexion über Manipulation durch Werbung.) Man* ist frei in der eigenen Entscheidung und selbstständig, aktiv, selbstbestimmt in ihrer Umsetzung.

So auch beim Shopping zum eigenen Bildungsweg. Man* hat seinen Bildungsweg selbst in der Hand. Und es ist so einfach ihn umzusetzen – das selbst gesteckte Ziel zu erreichen – wie ein neues T-Shirt zu kaufen/shoppen.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich sage nichts gegen Bildungsmaßnahmen und Bildungsförderungen und Veranstaltungen, um diese bekannter zu machen. Solange wir noch nicht im Kommunismus leben – wo sich alle diese Probleme bekanntermaßen wie von selbst lösen ;) – sondern im neoliberalen Kapitalismus, sind solche Veranstaltungen sinnvoll und helfen Perspektiven zu eröffnen.

Ausgeblendet/ver­deckt/verschle­iert wird dabei aber, dass das Österreichische Bildungssystem hoch selektiv ist. Oft wird schon in der Volksschule entschieden, oder zumindest die Weiche dahin gestellt, ob ein Kind später einmal maturiert. (Freilich, so schlimm wie in anderen Ländern, wo sich Kinder schon im Kindergarten beweisen müssen, um später an der „besten“ Schule genommen zu werden, ist es bei uns – noch? – nicht.) Unser Bildungssystem selektiert in vielerlei Hinsicht. Die Beispiele sind hinreichend bekannt: Kinder die aufgrund von fehlenden Deutsch-Kenntnissen oder sozialer Auffälligkeit in Sonderschulen gesteckt werden, Lehrer*innen die Buben und Mädchen (bewusst und/oder unbewusst) unterschiedlich behandeln, ihnen Unterschiedliches zutrauen und abverlangen, sie unterschiedlich fördern.

Näher betrachten möchte ich hier die Kategorie „Klasse“, da sie in vielen Diskussionen sträflich vernachlässigt wird. Und wessen Aufgabe wäre es sie in den Fokus zu nehmen, wenn nicht die der KPÖ?

Neusprech für Klasse wäre etwa „soziale Zugehörigkeit“ oder „soziale Herkunft“. Ein Bisschen älter ist „Schicht“ – eher in Verbindung mit Debatten um „die Mittelschicht“. Oft wird auch von bildungsfernen Schichten gesprochen und davon, dass Bildung „vererbt“ wird.

Am häufigsten wird aber über die „Unterschicht“ gewitzelt. Ich zum Beispiel bin aus Simmering und habe es trotzdem auf die Uni geschafft. Ein Brüller für Arbeitskolleg*in­nen, Studienkolleg*innen und sogar Genoss*innen aus dem KSV-LiLi. Weil in Simmering ja bekanntlich die Unterschicht daheim ist. Und „die Unterschicht“ ist faul, träge, politikverdrossen, offen für rechte Hetze – oder zumindest unpolitisch, dumm und ungebildet. Bildungsfern eben … So jemand kann gar nicht erfolgreich studieren! Das wissen alle. Oft schon die Volksschulleh­rer*innen. Immer wieder treffen Lehrer*innen Aussagen wie: „Ob es ein Kind ins Gymnasium schafft, oder nicht, weiß ich nach der ersten Schulwoche.“ Beliebt unter einigen Lehrer*innen / Sozialarbeiter*in­nen / Behindertenbe­treuer*innen ist auch der Ausspruch: „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.“

Schulerfolg wird hier (bewusst oder unbewusst) festgemacht an Namen, Wohnort, Erscheinungsbild, Erscheinungsbild der Eltern, Sprache, Dialekt usw. Natürlich spielen dabei Vorurteile eine enorme Rolle. Wer hat schon die Zeit auf jedes Kind einzeln einzugehen und jedes Mal die eigenen Voruteile zu überprüfen?

Tatsache ist also, dass „Vererbung von Bildung“ und Witze auf Kosten der Kevins und Jacquelines und „der Unterschicht“ etwas mit Diskriminierung auf Grund von Klasse zu tun haben. Dies gilt natürlich nicht nur für oben genannte Lehrer*innen. Diskriminirung auf Grund von Klasse durchzieht unsere ganze Gesellschaft und begegnet uns überall. Man* hat daher auch den eigenen Bildungsweg nicht so sehr selbst in der Hand wie uns gerne eingeredet wird, wie man* uns das im Neoliberalismus glauben machen will.

Die Lösung müsste trotzdem im „Hier und Jetzt“ am Arbeiten an einem durchlässigeren Bildungssystem bestehen. Entsprechnede Forderungen sind für die KPÖ nicht neu:

  • Eine einheitliche Gesamtschule für alle 6 – 16 jährigen.
  • Mehr und qualitativ hochwertiger Lehrer*innenfor­tbildungen (in der Arbeitszeit).
  • Einheitliche Ausbildungen für alle Lehrer*innen mit mehr Pädagogik und Didaktik.
  • Größerer Schwerpunkt auf Selbstreflexion in der Lehrer*innenbil­dung.
  • inklusive Ganztagsschulen mit:
  • weniger Kindern in den Klassen
  • mehr Lehrer*innen
  • mehr Begleit- und Stützlehrer*innen
  • mehr muttersprachlichem Unterricht
  • mehr muttersprachliche Förderung
  • mehr Sonderpädagog*innen
  • integrative Klassen
  • Zeitgemäße (techniche) Ausstattung der Schulen und Klassen.

Aktuelles:


Unter dem Motto „Wir können“ schicken die Alternativen Listen, KPÖ PLUS, Linke und Unabhängige (KPÖ) ihre Spitzenkandidat*innen ins Rennen
(22.7.2019)

...mehr


Eine linke, soziale Alternative am Stimmzettel möglich machen
(7.7.2019)

...mehr


Die Euro-Milliardäre zur Kasse bitten
(3.7.2019)

...mehr


Nach der Wahl ist vor der Wahl
(5.6.2019)

...mehr


Eine linke und soziale Alternative bleibt notwendig
(26.5.2019)

...mehr

Volksstimme - Politik & Kultur - Zwischenrufe links | www.volksstimme.at