KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Lutz Holzinger: Nachrichten aus der Normopathie

(9.9.2015)

Einladung zur Buchpräsentation:

Am Donnerstag, 10. September 2015, 19 Uhr
im WERKL im Goethehof
Schüttaustraße 1, 1220 Wien
Zu erreichen mit der U1, Station UNO-City + ca. 150 Meter zu Fuß

„Die bestehenden sozialen Instanzen (Familie, Freundeskreis, Firmenleitung, Arbeit- und Sozialamt, Hausverwaltung, Exekutive, Verein, Partei usw.), mit denen man fortwährend zu tun hat und mit denen die Welt gepflastert zu sein scheint, fühlen sich berufen, Menschen ständig zu wiegen und häufig für zu leicht zu befinden.

Mit der Unterstellung, jemand agiere pathologisch oder lege abweichendes Verhalten an den Tag oder sei schlicht nicht normal, wird geradezu herum geworfen. Dieses Netz wird vom eingespielten Kontroll- und Herrschaftssystem so geschickt ausgeworfen, dass die Anpassung der meisten ZeitgenossInnen an die bestehenden Normen mehr oder weniger unbewusst vor sich geht bzw. hinter ihrem Rücken abläuft, obwohl diese Domestizierung erzwungen wird. …

Im Wiener Volksmund wird eine milde Abart dieses Menschentypus als Zwangler bezeichnet: ZeitgenossInnen, die in Fragen der Moral, Sauberkeit, Konformität usw. ein Übermaß an Anpassung an den Tag legen und so etwas wie vorauseilenden Gehorsam walten lassen. Diese Haltung ist meist mit übergroßer Vorsicht verknüpft und läuft im praktischen Lebensvollzug darauf hinaus, nur zu tun, was ausdrücklich erlaubt ist. Es liegt auf der Hand, dass derartige zwanghaft agierende Personen als Untertanen der Obrigkeit gerade recht sind. Um frei entscheidende Individuen, die ihr Tun und Lassen nach ihrer eigenen Überzeugung steuern und die als grundlegend für das Funktionieren entwickelter Demokratien und lebendiger Bürgergesellschaft betrachtet werden, handelt es sich nicht.

Das krankhafte Streben nach Normalität ist nicht auf Menschen beschränkt, die über jeden Verdacht erhaben sind.“

Lutz Holzinger in „Die Plage der Normopathie – Über Menschen, die ein Übermaß an Anpassung an den Tag legen“

Nachrichten aus der Normopathie – Essays zum Zeitgeschehen

189 S., 18,– zu bestellen unter tarantel-wien@gmx.at

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