KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Das "ewige Eis" der Erdhülle droht zu schmelzen mit verheerenden Auswirkungen für Menschen die an den Küsten leben (Bild: Antarktis – (c) Christopher Michel, CC BY 2.0, Flickr)

Klimapolitik auf Eis gelegt?

Von: Michael Gruberbauer (26.1.2017)

Das Jahr 2016 war das wärmste Jahr seit Beginn der weltweiten Temperatur-Aufzeichnungen. Die Nachwehen des El Niño-Phänomens und der Klimawandel führten zu einer Abweichung, die schon gefährlich nahe an die „Erwärmungsober­grenze“ von 1,5 Grad Celsius heranreicht, die im Jahr 2015 auf dem politischen Parkett in Paris festgelegt wurde. Nichtsdestotrotz heißt es business as usual, auch und besonders im Weißen Haus.
Mit Donald Trump ist dort nämlich ein Wahnsinniger eingezogen, der schon im US-Wahlkampf den Klimawandel als „Hoax“ (bewusst verbreiteter Schwindel) bezeichnete und sein Kabinett mit Bonzen befüllt, die engste Verbindungen zur Kohle- und Öl-Lobby pflegen. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat er zwei unter KlimaaktivistInnen als äußerst gefährlich eingestufte Pipeline-Projekte wieder auf den Weg gebracht. Noch unter Barack Obamas Amtszeit kämpften zigtausende Menschen viele Monate lang darum, den damaligen Präsidenten dazu zu bewegen, zumindest die Keystone Pipeline auf Eis zu legen.
Gerade die Sache mit dem Eis sollte eigentlich auch einem Donald Trump deutlich machen, dass er wortwörtlich mit dem Feuer spielt, wenn er die ökologische Uhr nun wieder um Jahrzehnte zurückdreht und sich bei der Energiepolitik der USA und des Westens sowie der sogenannten „Entwicklungsländer“ kein Umdenken einstellt.

Kein ewiges Eis
Nicht nur die mittlere globale Oberflächentem­peratur hat nämlich dieses Jahr Rekorde aufgestellt. Auch die globale Bedeckung mit Meereis hat immer wieder die Rekorde geknackt. Ursache ist die ohnehin seit Jahren schwächelnde Eisbedeckung in der Arktis, für die der Klimawandel verantwortlich gemacht werden kann, und ein bisher unerklärliches, niedriges sommerliches Eismaximum in der Antarktis. Die Folgen dieser Entwicklung: Das dunkle Meer verdrängt das helle Meereis, das System Erde nimmt dadurch mehr Strahlungsenergie von der Sonne auf und erwärmt sich weiter (der gleiche Effekt tritt im Alltag auf, wenn man zum Beispiel ein schwarzes statt einem weißen T-Shirt trägt). Eine Rückkopplung, die es in sich hat: Mehr Wärme bedeutet weniger Eis bedeutet mehr Wärme.
Und auch der Meeresspiegel bleibt vom Rückgang des Meereises nicht verschont. In der Schule wird zwar gelernt, dass der Wasserspiegel in einem Glas gleich bleibt, wenn darin ein Eiswürfel schmilzt. Es ist aber zu berücksichtigen, dass die Erwärmung des Meeres wegen dem Rückgang des Meereises zu einer relevanten Ausdehnung und damit zu einem Steigen des Meeresspiegels führen wird. Dazu kommt, dass etwa auf Grönland und in der Antarktis auf dem Festland unglaubliche Wassermassen gespeichert sind, die in früheren Zeiten noch Meerwasser waren – und damit einen Meeresspiegel verantworteten, der um zig bis hunderte Meter höher lag als heute. Es gab keine Niederlande, kein Bangladesch, kein Florida. Erst die Eiszeit konnte diese Mengen in den Eisschilden binden. Heute steigt der Meeresspiegel kontinuierlich und immer rascher wieder an, eben auch deswegen, weil Eis vom Festland wieder „in die Meere zurück schmilzt“.

Ungewisse Zukunft
Dass das passiert, ist nicht nur an den Messungen der Meereshöhe erkennbar. In der Antarktis bricht's und bröckelt's, und gerade jetzt schauen die ForscherInnen mit Sorge auf einen 5.000 Quadrat­kilometer großen Teil des Larsen-C-Schelfeises, der abzubrechen droht (Der Standard: In der Antarktis bricht ein Rekord-Eisberg ab). Das ist deshalb besorgniserregend, weil ein Aufbrechen dieser Eisplatten die Prozesse, die zur weiteren Zersetzung führen, noch beschleunigen wird. Diese Vorgänge können die Wissenschaftle­rInnen zunehmend nur noch von Satelliten aus beobachten. Forschungsstationen vorort sind durch Brüche, Risse und Schmelzvorgänge ebenfalls gefährdet (zum Beispiel: ORF-online: Antarktis-Station muss wegen Klimawandels umziehen). Wie schnell das alles vonstatten gehen wird, ist ungewiss. Dass es aber gerade passiert, darüber sind sich die ExpertInnen einig.
Aber nicht nur das Eis in der Arktis und Antarktis hat eine ungewisse Zukunft. Seit Jahren schrumpfen weltweit viele Gletscher aus denselben Ursachen dahin. Dabei haben die Gletscher aber nicht nur den Zweck, als Skigebiete für TouristInnen und ExtremsportlerInnen zu dienen oder Strahlung von der Sonne wieder in den Weltraum zurückzuwerfen, sie speichern und regulieren auch die Trinkwasserver­sorgung. Das ist in den Alpen vielleicht kein Problem, aber sehr wohl in vielen Gebieten, besonders in Dörfern und Städten in Innerasien oder den Anden, wo eine moderne Infrastruktur zur Trinkwasserwi­ederaufbereitung fehlt (siehe informatives Interview: „Großteil der Gletscher verschwindet“).

Vorwurf aus der Zukunft
Die sich andeutenden Veränderungen des weltweiten Eises, der sogenannten Kryosphäre, sollten uns also Sorgen machen und die Politik dazu bewegen, endlich und rasch globale Maßnahmen durchzusetzen, um die Erderwärmung beziehungsweise den Klimawandel noch einzubremsen. Wird das ernst genommen, so kommt man im Rahmen der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung um ein wesentlich schärferes System des Emissionshandels oder – noch besser – einer globalen CO2-Steuer nicht herum. Trotz aller Ideen, lokaler Projekte und Initiativen zur Senkung des ökologischen Fußabdrucks, etwa die von der KPÖ geforderte Energiegrundsiche­rung und eines stark ausgebauten, kostenlosen öffentlichen Verkehrs.

Wenn Donald Trump wirklich vier (oder sogar acht) Jahre im Amt bleiben sollte, kann man nur hoffen, dass auch er und seine Freunde aus der Lobby der fossilen Energieträger endlich und zumindest in dieser Frage zur Vernunft kommen werden. Eine globale und wirksame Klimapolitik ist ohne die USA nicht möglich, auch wenn China und Europa vorgeben, konkrete Maßnahmen weg von fossilen Brennstoffen und hin zu erneuerbarer Energie im großen Stil ergreifen zu wollen. Noch ein paar Jahre „weiter wie bisher“ sind der sichere Weg in eine Katastrophe, die unsere Kinder, Enkelkinder und weitere Generationen mit einer veränderten Welt konfrontieren wird, die nicht fähig ist, sieben (oder mehr) Milliarden Menschen mit Nahrung, Trinkwasser und einer lebenswerten Umwelt zu versorgen.
Ihrem Vorwurf aus der Zukunft, angesichts des Klimawandels untätig geblieben zu sein, sollten wir uns bewusst sein.


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