KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Damwild im Lainzer Tiergarten (Wien). Foto: KPÖ/A. Benedik

„Tierversuchslabor“ Lainzer Tiergarten?

Von: Alexandra Benedik (27.6.2016)

Ein angedachtes Verhütungsprojekt im Lainzer Tiergarten in Wien sorgt für etwas übertriebene Empörung auf Seite der Jagdverbände und für zu hohe Erwartungen bei einigen TierschützerInnen. Dabei gehen die wirklich sehr erfreulichen Verbesserungen des Wildtiermanagements leider etwas unter.

Die österreichischen Landesjägermeister kritisieren das Missbrauchen von Wild als Versuchstiere und halten es für unethisch, weil man diesen ihr höchstes Ziel, nämlich das der Arterhaltung, vorenthalten will. In einem Brief einer Tierschutzorga­nisation, natürlich mit angeschlossenem Erlagschein, ist zu lesen, dass die Gatterjagd im Lainzer Tiergarten abgeschafft wurde. Bei näherer Betrachtung handelt es sich um unnötig große Aufregung auf der einen und kompletten Unsinn auf der anderen Seite.

Tatsächlich soll im Rahmen einer ExpertInnenkon­ferenz geprüft werden, ob eine Immunokontrazeption bei Farmwild ethisch vertretbar ist. Betroffen wären davon je 5 Stück Dam- und Muffelwild, die in einem 2 ha großen Schaugehege gehalten werden. Körpereigenes Eiweiß soll aktiviert werden und zu einer vorübergehenden Unfruchtbarkeit führen. Das wirft natürlich sehr viele Fragen auf, z.B. ob Veränderungen des Sozialverhaltens zu erwarten sind oder für die Gewinnung des Impfstoffes andere Tiere leiden müssen. Befürchtet werden vor allem übermäßige Begattungsversuche von Seiten der männlichen Tiere, bzw. wird die Herkunft des zu injizierenden Mittels vom Hausschwein kritisch gesehen. Forstdirektor Januskovecz schließt aber aus, dass dafür Schweine aus der Massentierhaltung herhalten müssen. Noch ist alles offen. Man wird sehen, wie die Kommission diese und andere Bedenken beurteilt.

Viel wichtiger sind aber eigentlich die Pläne des Forstamtes in Bezug auf das Wild, das im Tiergarten frei leben darf. Die Wildpopulation soll auf eine Größenordnung reduziert werden, die sich in diesem Lebensraum selbstständig ernähren kann. Bei Wildschweinen wird eine Dichte von ungefähr 50 bis 100 Stück (Frühjahrsstände ohne Nachwuchs) angestrebt. Mit den Frischlingen ergibt sich dadurch ein Maximalbestand von ca. 200 bis 300 Tieren. Parallel dazu werden die Fütterungen schrittweise reduziert. Nur mehr in Notzeiten soll temporär zugefüttert werden.

Weniger Stress für die Tiere soll es durch eine ruhigere Form der Bejagung geben. Bei Ansitzdrückjagden, einer Art „Treibjagd light“, wird ohne viel Lärm das Wild in vergleichsweise langsame Bewegung gebracht und dadurch auch sicherer getroffen. Auch die längst überfällige Erlaubnis der Verwendung von Schalldämpfern steht zur Diskussion.

Insgesamt dürfen wir uns über sehr positive Entwicklungen freuen. Eine Ausweitung des Verhütungsprojektes auf Schwarzwild wird in offiziellen Informationen nicht angesprochen. Wenn das von Tierschutzseite erwartet wird, dann wurden entweder falsche Hoffnungen geweckt, um die vorm Lainzer Tor demonstrierenden AktivistInnen vor der Wiener Gemeinderatswahl los zu werden oder es handelt sich um Ideen von Personen mit besonders lebendiger Fantasie.

Alexandra Benedik ist Bereichssprecherin für Tierschutz im KPÖ-Bundesvorstand


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